OTC-Hersteller

Merck-OTC: Nestlé bietet 4,2 Milliarden Euro

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Berlin -

Im Spiel um die zum Verkauf stehende OTC-Sparte von Merck hat nach Informationen von Insidern derzeit der Lebensmittelgigant Nestlé die besten Karten. Der Schweizer Konzern habe dem Darmstädter Pharma- und Spezialchemieunternehmen das höchste Angebot für dessen Consumer-Health-Geschäft unterbreitet, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Firmensprecher lehnten einen Kommentar ab.

Nestlé will demnach rund 4,2 Milliarden Euro für die Sparte auf den Tisch legen, zu der unter anderem Kytta, Femibion, Nasivin, Cebion, Multibionta, Bion3, Vigantol, Epamax und Kohle Compretten gehören.

Merck hatte sein OTC-Geschäft im Herbst zur Disposition gestellt. Laut den von Bloomberg zitierten Personen will der Dax-Konzern im ersten Quartal eine Entscheidung fällen. Mit im Rennen um das Merck-Geschäft sind den Angaben zufolge auch Mylan und der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser (RB). Andere Bieter wie die Finanzinvestoren Bain und Cinven, die seit einem Jahr die neuen Mehrheitseigentümer von Stada sind, hätten sich hingegen aus dem Verkaufsprozess verabschiedet, hieß es.

Merck erzielte 2016 mit rezeptfreien Präparaten einen Umsatz von 860 Millionen Euro. Analysten beziffern den Wert des Bereichs auf rund 4 Milliarden Euro. Weltweit wären von einem möglichen Verkauf 3800 Mitarbeiter betroffen, in Deutschland rund 280. Eine Entscheidung soll dem Pharma- und Chemiekonzern zufolge Anfang 2018 fallen. Hierzulande war das Geschäft im vergangenen Jahr leicht rückläufig und lag laut Insight Health mit 130 Millionen Euro auf Basis der Apothekenverkaufspreise (AVP) 1 Prozent unter Vorjahresniveau.

Nestlé hat gerade Atrium, den kanadischen Mutterkonzern des Wobenzym-Herstellers Mucos, gekauft. Auch die Marke Pure Encapsulations geht an den Konzern. Nestlé zahlt 2,3 Milliarden US-Dollar in bar, der Umsatz von Atrium in diesem Jahr wird mit 700 Millionen Dollar geschätzt.

Nestlé ist mit der Tochterfirma Galderma (Excipial, Loceryl, Daylong) sowie der Spezialnahrung Meritene bereits in den deutschen Apotheken vertreten. Außerdem ist der Konzern seit 1974 an L'Oréal beteiligt. 2014 hatte der weltgrößte Lebensmittelkonzern seine Anteile an dem französischen Kosmetikhersteller von 29,4 auf rund 23 Prozent reduziert. Im Gegenzug hatte der Konzern das 50-prozentige Paket an Galderma erhalten, das der Partner bis dahin gehalten hatte.

Mit dem Tod von L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt wurden die Karten um die Kontrolle des weltgrößten Kosmetikkonzerns neu gemischt. Zu Lebzeiten der Milliardärin durften weder Nestlé noch die Gründerfamilie ihren Anteil erhöhen. Nun geht es um die Frage, was aus dem 33-prozentigen Paket der Familie wird.

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