Konsumgüterkonzerne

Ausverkauf bei P&G

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Berlin -

Der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) will sich gesund schrumpfen und die Hälfte seiner Marken verkaufen. Betroffen sind vor allem kleinere Linien, die wegen rückläufiger Umsätze das Wachstum des Konzerns behindern. Marken aus der Apotheke dürften allerdings kaum betroffen sein.

Zu P&G gehören bekannte Konsumgütermarken wie Always, Ariel, Bounty, Braun, Gillette, Pampers, Pringles, Vidal Sassoon und Head & Shoulders. Die Apothekenmarke Wick hatte der Konzern vor drei Jahren in ein Joint Venture mit Teva eingebracht – abgesehen davon, dass das Geschäft gut läuft, müssten die Amerikaner also vor einem Verkauf ihren Partner fragen. Auch kleinere Marken wie Metamucil, die derzeit nicht im Fokus stehen, sind damit vermutlich vor einem Verkauf geschützt.

Bei Persona und Clearblue arbeitet P&G wiederum mit dem US-Medizintechnikhersteller Alere zusammen. 2007 hatten die beiden Konzerne das Joint Venture Swiss Precision Diagnostics (SPD) gegründet. Ein Verkauf wäre also auch hier eine ganz andere Baustelle.

Marken wie blend-a-med/blend-a-dent und Oral-b kommen angesichts eines weltweiten Marktanteils von 20 Prozent im Bereich Mundhygiene für einen Verkauf wohl nicht in Frage – allenfalls einzelne Produkte oder Regionen könnten abgegeben werden. Denkbar wäre dagegen, dass P&G weitere Produkte aus der Medizintechnikreihe Braun opfert. Hier hatte der Konzern im vergangenen Jahr 300 Millionen Dollar abschreiben müssen.

Der im Mai aus dem Ruhestand zurückgeholte Konzernchef A.G. Leafley hatte in der vergangenen Woche angekündigt, sich auf 70 bis 80 Marken konzentrieren zu wollen, die in den vergangenen drei Jahren 90 Prozent des Umsatzes und 95 Prozent des Ertrags eingespielt haben. 90 bis 100 Marken mit einem Umsatz von ingesamt 8 Milliarden Dollar könnten damit zusammengelegt oder verkauft werden.

Laut Branchendienst AdAge sind rückläufige Umsätze von mindestens 3 Prozent und Ertragseinbußen von mehr als 16 Prozent ein k.O.-Kriterium. Mitarbeiter und Öffentlichkeit warten nun auf weitere Einzelheiten. US-Medienberichten zufolge soll es künftig 12 Geschäftsbereiche in den vier Sektoren Braun, Oral Care, Personal Health Care und Shave Care geben. Der Bereich Tiernahrung mit Marken wie Iams und Eukanuba war erst im April für 2,9 Milliarden Dollar an Mars verkauft worden.

P&G hatte jahrelang zugekauft, größte Deals waren die Übernahme von Wella und Gilette. Doch die niedrigen einstelligen Zuwächse reichen den Aktionären nicht mehr. Weil einer Handelsregel zufolge 80 Prozent des Umsatzes mit 20 Prozent der Produkte gemacht werden, sollen die sogenannten „Orphan brands“ jetzt abgegeben werden. Die Pharmasparte, zu der unter anderem Actonel gehört, war bereits 2009 an Warner Chilcott abgestoßen worden.

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