Verdi fordert 13 Prozent

Phoenix in Bielefeld: Streikauftakt im Pharmagroßhandel

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Berlin -

Apotheken werden sich demnächst womöglich in Geduld üben müssen. Denn im Tarifstreit mit Verdi sollen auch Niederlassung des Pharmagroßhandels bestreikt werden. Den Anfang macht die Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen, wo heute ganztägig das Phoenix-Vertriebszentrum in Bielefeld bestreikt wird. Auch wenn hier die Versorgung nach Unternehmensangaben ohne Einschränkungen funktioniert, könnte es in anderen Ländern demnächst zu Ausfällen kommen. Laut Verdi ist eine Einigung nirgends in Sicht.

Bei Phoenix in Bielefeld wird seit dem frühen Morgen gestreikt, laut einer Verdi-Sprecherin ganztägig. Laut einem Phoenix-Sprecher läuft der Betrieb aber ohne Einschränkungen, sodass Apotheken regulär beliefert werden.

Auch in anderen Ländern gibt es aktuell Tarifverhandlungen gibt es derweil aus Baden-Württemberg. Hier wurde in der ersten Verhandlungsrunde über Gehälter und Löhne für die 190.000 Beschäftigte im Groß- und Außenhandel ein erstes Angebot von der Arbeitgeberseite vorgelegt, das die Verhandlungskommission der Gewerkschaft als völlig unzureichend zurückgewiesen hat. Ob ebenfalls bald Streiks anstehen, wollte ein Sprecher nicht verraten: „Zu unseren Planungen möchte ich keine Auskunft geben. Wir werden die Presse rechtzeitig über unsere Aktionen informieren.“

Die Verhandlungen werden am 24. Mai fortgesetzt. Verdi fordert eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 13 Prozent, eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 175 Euro mit einer Laufzeit von zwölf Monaten und Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit. Die Gewerkschaft hatte die Tarifforderungen mit den hohen finanziellen Belastungen der Beschäftigten durch den anhaltend starken Anstieg der Konsumentenpreise begründet. Zudem wurde die Umsatzentwicklung im Groß- und Außenhandel im vergangenen und dem bisherigen Jahr insgesamt als stabil bezeichnet.

Im Gegenzug verwiesen die Arbeitgeber auf massive Kostensteigerungen, gestiegene Einkaufspreise sowie allgemein gestiegene Vorleistungen, die sich auf die Ertragssituation der Unternehmen negativ auswirken würden. Die Forderung von Verdi auf eine 13-prozentige tabellenwirksame Erhöhung wurde als „nicht leistbar“ abgelehnt. Eine deutliche Absage wurde auch hinsichtlich der Forderung auf Erklärung der Allgemeinverbindlichkeit ausgesprochen.

Die Arbeitgeberseite hatte ein erstes Angebot für eine Laufzeit von 24 Monaten vorgelegt, nachdem es zwei tabellenwirksame Erhöhungen der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen geben sollte: um 3,8 Prozent zum 1. Januar und um 2,4 Prozent zum 1. Oktober kommenden Jahres. Außerdem wurde die Zahlung einer steuer- und abgabenfreien Inflationsausgleichsprämie in zwei Beträgen angeboten: 800 Euro als Auszahlung im Monat nach dem Tarifabschluss und weitere 600 Euro am 1. Mai 2024.

Auszubildende sollten jeweils die Hälfte erhalten, Teilzeitbeschäftigte die anteiligen Beträge. Bereits von den Unternehmen geleistete Inflationsausgleichsprämien sollten auf die tariflich vereinbarten voll anrechenbar sein.

Verdi bewertete dieses Angebot als strukturell wie materiell völlig unzureichend und hat es einstimmig abgelehnt. Daraufhin wurde die Verhandlung beendet. Die Gewerkschaft will nun die Beschäftigten in den Betrieben über den bisherigen Verhandlungsverlauf informieren und sie zu ersten Protestaktionen und Warnstreiks aufrufen. Die Entgelttarifverträge wurden zum 30. April gekündigt.

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