Apotheken erhalten „Treueprämie“

Gesund.de: Update und 50 Prozent Rabatt

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Berlin -

Die Plattform Gesund.de hatte keinen besonders ruhigen Start ins neue Jahr. Nach einem technischen Release im Dezember klagten die Nutzer:innen über technische Probleme und eine unzureichende Betreuung. Geschäftsführer Dr. Peter Schreiner und Dr. Sven Simons betonen gegenüber APOTHEKE ADHOC, dass man aus den Fehlern gelernt und die App in den vergangenen Wochen stabilisiert habe. Für ihre Geduld werden die Apotheken jetzt mit einer „Treueprämie“ belohnt: Von März bis Juni wird ihnen die Hälfte des monatlichen Beitrags erlassen. Die kolportierte Kündigungswelle dementiert die Geschäftsführung.

Wer bis Ende 2021 bei Gesund.de unterschrieben hatte, zahlt eine Grundgebühr von 149 Euro pro Hauptapotheke und 99 Euro für jede Filiale. Neuere Verträge sind 50 Euro teurer. Die jeweilige Gebühr wird jetzt bis Ende Juni halbiert. Dazu kommt noch die Transaktionsgebühr von 4 Prozent des Umsatzes bei nicht-verschreibungspflichtigen Produkten.

An dieser Beteiligung gab es immer wieder Kritik aus dem Kundenkreis: Apotheken sehen nicht ein, beim Geschäft mit Stammkunden die Marge zu teilen. Simons weist darauf hin, dass in der Gebühr zum Beispiel die Kosten für Payback – Grundgebühr und Punkte – voll enthalten sind. Zudem gehe es bei Gesund.de ja auch gerade darum, neue Kundenkreise zu erschließen. Diesen Erfolg werde am Ende die einzelne Apotheke messen können.

Wie viele Bestellungen tatsächlich schon über Gesund.de laufen, dazu machen Schreiner und Simons keine Angaben. Es gebe aber eine „stabil positive Entwicklung“ bei den Nutzerzahlen. Die Verschwiegenheit zusammen mit den anekdotischen Berichten aus der Praxis deuten aber darauf hin, dass bei der Nachfrage noch deutlich Luft nach oben ist. Übrigens ein Schicksal, das andere Plattformen teilen. Denn natürlich hatten alle Anbieter irgendwie mit dem E-Rezept gerechnet. Das fehlt nach wie vor als zentraler Anwendungsfall. Simons betont zwar, dass Gesund.de breiter aufgestellt sein soll, aber ohne Frage sei das E-Rezept ein wesentlicher Bestandteil.

Insofern ist die aktuelle „Treueprämie“ vielleicht auch als Durchhalteprämie zu verstehen, auch wenn die Geschäftsführer diese Lesart nicht teilen. Vielmehr sei der Rabatt auch ein Dankeschön für das konstruktive Feedback. Auf dem Weg zu einer zentralen Plattform seien noch einige Hürden zu meistern, heißt es in einem Kundenschreiben.

Probleme nach Release

Die Probleme waren vor allem nach dem Jahreswechsel teilweise gravierend. Ein Inhaber etwa berichtet, seine Apotheke sei in der App überhaupt nicht zu finden gewesen. Am Ende stellte sich heraus, dass ein falscher Eintrag in der Datenbank die Ursache war. Den Fehler habe nur Gesund.de beheben können – auf die Rückmeldung aus der Zentrale habe er jedoch wochenlang gewartet, so der verärgerte Kunde. Da auch eigene Testbestellungen nie durchgingen oder eingegebene Daten plötzlich gelöscht waren, habe er seinen Vertrag jetzt gekündigt. Sein Phoenix-Außendienstmitarbeiter habe ihm berichtet, dass mehrere hundert Apotheken derzeit im Kündigungsverfahren seien – ungefähr 10 Prozent der Teilnehmer.

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