Generikakonzerne

Stada: Tumult programmiert

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Berlin -

Bei der Hauptversammlung der Stada Ende August in Frankfurt wird es sehr wahrscheinlich tumultartig zugehen: Der Konzern legte soeben die Tagesordnung für das Aktionärstreffen vor – ohne die Wünsche der aktivistischen Investoren zu berücksichtigen. Die werden in der kommenden Woche eigene Anträge auf die Agenda setzen lassen.

Bei der Hauptversammlung am 26. August wird ein neuer Aufsichtsrat gewählt. Drei Apotheker und ein Arzt aus dem Kontrollgremium sollen Managern aus der Industrie weichen. Anfang Juli hatte der Konzern eine Liste potenzieller Nachfolger veröffentlicht, die ein Nominierungsausschuss erarbeitet hatte.

Der aktivistische Investor Active Ownership Capital (AOC) fordert den Umbau des Unternehmens und will in einem ersten Schritt den Aufsichtsrat auswechseln. Anfang Mai hatte der mit 5 Prozent größte Einzelaktionär eine Liste mit fünf Kandidaten vorgelegt, die den bisherigen Aufsichtsrat fast komplett ersetzen sollten. Dann einigte man sich mit dem Management auf einen Kompromiss, wonach nur drei Mitglieder ausgetauscht werden sollten.

Doch kurz darauf trat die Stada die Flucht nach vorne an und verschob die ursprünglich für Anfang Juli anberaumte Hauptversammlung auf Ende August. Unabdingbar sei eine „sorgfältig vorbereitete und durchgeführte Auswahl geeigneter Kandidaten“, hieß es. Ein Nominierungsausschuss erarbeitete mit Unterstützung der Berliner Unternehmensberatung Egon Zehnder eine Liste mit Kandidaten. Vorgeschlagen sind Rolf Hoffmann (zuletzt Amgen), Dr. Birgit Kudlek (zuletzt Aenova), Tina Müller (Opel) und Dr. Gunnar Riemann (zuletzt Bayer).

Bei AOC traute man dem Braten nicht. Noch bevor die Stada ihre Kandidatenliste vorlegte, rief der Investor via Aktionärsforum die anderen Anteilseigner auf, sich zu verbünden und gemeinsam eigene Vorschläge zu machen. Alle Aktionäre mit mehr als 75.000 Aktien konnten sich bei der Personalberatung Spencer Stuart melden und über Vorschläge abstimmen.

Ursprünglich ging man beim Investor davon aus, dass sich bis zu 20 Prozent der Aktionäre an der Aktion beteiligen. Diese Quote sei deutlich übertroffen worden, sagt eine Sprecherin. Dass es die Vorschläge nach den Gesprächen mit dem Management nicht auf die Tagesordnung geschafft haben, überrascht den Investor nicht: Schon beim Aufruf hatte AOC Ergänzungsverlangen in Aussicht gestellt, sollten die Kandidaten nicht auf die Vorschlagsliste für die Hauptversammlung genommen werden. Notfalls will AOC mit Gegenanträgen in die Kampfabstimmung gehen. Man behalte sich vor, die Tagesordnung um weitere Punkte zu ergänzen, und werde die notwendigen Schritte in den nächsten Tagen einleiten, hieß es von AOC.

Um deutlich zu machen, wie ernst die Gruppe es meint, wurde prompt eine neue Forderung aus der Tasche gezogen: Die Stada solle neue und „renommierte“ Wirtschaftsprüfer mit der Abschlussprüfung beauftragen. „Der neue Abschlussprüfer sollte der Größe und der Internationalität des Unternehmens angemessen sein und auch die Einhaltung des Corporate Governance Kodex besser überwachen“, hieß es.

Auch hier geht das Management auf Konfrontation: Auch den Abschluss für das laufende Jahr soll PKF prüfen; erst auf der Hauptversammlung im kommenden Jahr sollen wie geplant neue Abschlussprüfer vorgeschlagen werden. Dabei sollen die strengen Vorgaben nach Abschlussprüferreform berücksichtigt werden.

Beschlossen werden soll schließlich auch eine neue Vergütung der Vorstandsmitglieder. Die öffentliche Diskussion um Managergehälter sowie spezifische Anregungen aus dem Kreis von Investoren habe der Aufsichtsrat zum Anlass genommen, das Vergütungssystem an die jüngsten Entwicklungen weiter anzupassen, so die Stada. Die Voraussetzungen für eine Ermessenstantieme an den Vorstand habe der Aufsichtsrat konkretisiert und verschärft: Der mehrjährige, langfristig anreizorientierte Teil der erfolgsabhängigen Vergütung sei nun so strukturiert, dass die Auszahlung des aktienbasierten Teils auch auf drei Jahre gestreckt werden könne. Im Sinne von mehr Transparenz werde der Aufsichtsrat künftig die Zielvorgaben für die variable Vergütung des Vorstands, die sich an der Guidance für den bereinigten Konzerngewinn anlehne, veröffentlichen.

Im Grundsatz sieht man in Bad Vilbel aber keinen Grund für Kritik: Das in Zusammenarbeit mit Ernst & Young neu entwickelte und seit Jahresbeginn geltende Vergütungssystem sei noch einmal von Experten der Wirtschaftsrechtskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer sowie der Personalberatung Willis Towers Watson bewertet worden. „Die Experten bestätigen, dass Höhe und Ausgestaltung des Vergütungssystems angemessen und branchenüblich sind sowie dass Stada mit dem Vergütungssystem alle regulatorischen Vorgaben einhält“, so der Konzern. Darüber hinaus setze man die Empfehlungen für fakultative Verbesserungen konsequent um.

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