Stada

Kachout: Raus aus dem Club

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Berlin -

Mit Adil Kachout hat sich die Stada von einem weiteren Zögling des langjährigen Konzernchefs Hartmut Retzlaff getrennt. Als OTC-Chef war der 38-Jährige für Marken wie Grippostad, Ladival und Mobilat zuständig. Sein Aufstieg in Bad Vilbel begann als Zufallsbegegnung im Strandurlaub und führte ihn vom Außendienst bis an die Spitze.

Kachout gehört zu den bekanntesten und zugleich geheimnisvollsten Personen im OTC-Geschäft. Sein Konzept war so schlicht wie effizient: Mit prominenten Sportlern, der Bild-Zeitung und dem TV-Pinguin brachte er seine Marken täglich aufs Neue ins Bewusstsein der Verbraucher. Kachout gab sich als Macher, der selbst die Drehbücher zu seinen Videospots konzipierte. „Es darf nicht zu kompliziert sein“, lautete seine Devise.

Von der Branche hielt er sich stets fern; außer bei der Expopharm war er kaum auf den einschlägigen Veranstaltungen anzutreffen. Stattdessen ließ er sich von seinen Mitarbeitern auf den aktuellen Stand bringen.

Kachout kam als Außenseiter nach Bad Vilbel. Retzlaff soll in einem Ferienclub auf den Kanaren auf den jungen Mann aus Essen aufmerksam geworden sein, der dort als Animateur arbeitete. 2004 stieg er ohne Erfahrungen im Pharma- oder betriebswirtschaftlichen Bereich bei der Stada ein – sein Weg führte ihn vom Außendienst über den Bereich Key Account zunächst ins Trade Marketing.

2012 wechselte Kachout in die Geschäftsführung. Leidenschaftlich führte er beispielsweise die Werbekampagnen mit Prominenten fort, die Steffen Retzlaff, Sohn des Konzernchefs, mit den Klitschko-Brüdern begonnen hatte. Kachout nahm beispielsweise Oliver Kahn und Franziska van Almsick unter Vertrag. Er wollte für die wichtigsten Marken aufmerksamkeitsstarke Kampagnen initiieren – Sportler schienen ihm billiger als andere Stars zu sein. Für die Kommunikation in Richtung Apotheke blieb da kein Geld übrig.

Im System Retzlaff hatte Kachout einen festen Platz. Schon als Außendienstmitarbeiter bekam er einen Sportwagen von Audi gestellt. Mit Retzlaff jr. war er privat befreundet – auch wenn er getobt haben soll, als er Ertragsbringer wie Curazink oder Magnetrans an Stadavita abgeben musste.

Kachout war ein Manager mit hohem Arbeitspensum, sein Führungsstil wird als emotional und kontrollsüchtig beschrieben. Insidern zufolge ließ er sich von seinen Mitarbeitern bei jeder Nachricht „cc“ setzen. Bis spät in die Nacht soll er dann Kommentare, teils zu Nebensächlichkeiten, zurückgeschickt haben. Nach Meetings ließ er das Protokoll abändern, wenn Probleme besprochen wurden.

Vielleicht hat Kachout seine Rolle wie die eines Fußballtrainers betrachtet. Immerhin wäre er selbst fast beim Profisport gelandet: In seiner Jugend verschrieb er sich ganz dem Fußball. Später erwarb er mehrere Trainerlizenzen; er lernte gemeinsam mit heutigen Sportgrößen wie BVB-Coach Thomas Tuchel und dem ehemaligen Bundesliga-Trainer Thomas Doll.

Wie auf einem Fußballplatz soll es manchmal auch im Büro zugegangen sein. Von regelmäßigen cholerischen Gefühlsausbrüchen ist die Rede, etwa wenn seine Entscheidungen in Frage gestellt wurden.

Rückhalt hatte Kachout stets bei Retzlaff senior. Mit seinem plötzlichen Weggang und der Abberufung seines Sohnes als Stadavita-Chef war es für Insider nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Kachout als Teil des inneren Kreises seinen Stuhl würde räumen müssen. Er selbst gab sich bis zuletzt als siegessicher: Jemand der seinen Job gut mache, habe nichts zu befürchten.

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