Stada

Retzlaff vor Comeback?

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Berlin -

Hartmut Retzlaff hatte sich Anfang Juni von der Stada-Spitze zurückgezogen – offiziell wegen einer schweren, voraussichtlich länger andauernden Erkrankung. Das Amt des langjährigen Vorstandschefs ruhte auf unbestimmte Zeit. Dr. Matthias Wiedenfels führt den Generikahersteller seither. Jetzt spekuliert das Handelsblatt über eine baldige Rückkehr Retzlaffs. Die Zeitung bezieht sich auf Hinweise aus dem Umfeld des Unternehmers.

Retzlaffs Genesung schreite gut voran und mit einer Rückkehr könne sehr wohl gerechnet werden, heißt es im Bericht. Der 62-Jährige mache gute Fortschritte und plane wieder die Führung des Herstellers zu übernehmen. Das wäre allerdings alles andere als selbstverständlich: Der Aufsichtsrat der Stada bestellt und entlässt die Vorstände. Aktueller Vorsitzender ist Wiedenfels. Retzlaff könnte also nicht nach eigenem Belieben an die Spitze zurückkehren.

Dieser war die Nachfolge Retzlaffs als Vorstandsvorsitzende mit sehr viel Selbstbewusstsein angetreten: „Ich traue mir die Unternehmensführung zu. Ich kenne das Unternehmen gut genug, um zu wissen, wo die wirklichen Wachstumspotenziale liegen. Und ich habe genug Akzeptanz im Haus“, sagte er vor wenigen Tagen dem Handelsblatt. Würde Retzlaff früher als erwartet vom Krankenbett zurückkehren, würde Wiedenfels‘ Position in Frage gestellt werden, schreibt das Blatt. Von der Stada heißt es zu den Gerüchten nur knapp: „Dazu liegen uns keine Informationen vor.“

Auch das Handelsblatt geht davon aus, dass Retzlaffs Nachfolger nicht nur vertreten will: „Wiedenfels präsentierte sich in den knapp zwei Monaten seit seiner Ernennung als CEO mit dauerhaften Ambitionen“, schreibt das Blatt. So habe er keine fünf Wochen nach Amtsantritt eine neue Wachstumsstrategie vorgelegt. Der Umsatz von Stada soll danach von zuletzt 2,1 Milliarden Euro bis 2019 auf 2,6 Milliarden Euro steigen, der bereinigte Konzerngewinn von 166 Millionen Euro auf 250 Millionen Euro.

Die Spekulation um Retzlaffs Rückkehr lädt die mit Spannung erwartete Wahl des neuen Aufsichtsrats in einem Monat weiter auf. Ohnehin wird bei der Hauptversammlung am 26. August in Frankfurt viel Tumult erwartet. Der Grund: Der aktivistische Investor Active Ownership Capital (AOC) fordert den Umbau des Unternehmens. Jetzt wurde bekannt, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüft, ob AOC seinen Meldepflichten nachgekommen ist.

Kommt Retzlaff tatsächlich zurück, würde das die Spekulation entkräften, er würde die „krankheitsbedingte Auszeit“ nutzen, „um sich dauerhaft aus der Schusslinie zu bringen”. Im Mai wurde bekannt, dass AOC nebst anderen Reformen den bisherigen Aufsichtsrat fast komplett austauschen wollte. Daraufhin verschob Stada die ursprünglich für Anfang Juli anberaumte Hauptversammlung.

Retzlaff stand 23 Jahre an der Spitze des Unternehmens. Er habe Stada geprägt und das Unternehmen erfolgreich aufgebaut, internationalisiert und konsequent diversifiziert. „Heute steht Stada besser da als je zuvor“, sagte Aufsichtsratschef Dr. Martin Abend Anfang Juni.

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