Apothekenexklusivität

Elac-Apotheker warnt vor Graumarkt-Effekt

, Uhr
Berlin -

Georg-Dieter Heldmann ist ein umtriebiger Apotheker. Zusätzlich zu seiner Apotheke betrieb er jahrelang eine Drogerie und Parfümerie. Doch mit den Ketten konnte er nicht mithalten. Umso mehr ärgert es ihn, dass Apothekenware über den Graumarkt abwandert. Beim Kooperationsgipfel des Bundesverbands Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) in München forderte er Kollegen auf, sich bei Großhändlern und Herstellern über Graumarktgeschäfte und die Bevorteilung von Versandapotheken zu beschweren.

Heldmann kritisierte, dass einzelne Großhändler vermeintlich apothekenexklusive Produkte an Drogerien verkauften. Apotheken könnten jedoch nicht mit Drogeriepreisen konkurrieren, sagte er. Almased wurde jüngst bei Netto und Kaufland angeboten. Der Hersteller aus Bienenbüttel hatte daraufhin die Alliance-Tochter CPL gesperrt, da betroffene Chargen zugeordnet werden konnten.

Kooperationsapotheker sollten dieses Problem bei ihren Großhändlern ansprechen, fordert Heldmann. „Ich habe meinem Partner gedroht, wenn ich ihn erwische, bin ich weg.“ Apotheker sollten sich jetzt zur Wehr setzen, solange sie noch gehört würden.

Auch an den Internetseiten einzelner Hersteller stört sich Heldmann: Bei den Bezugsquellen könne zwischen Versand- und Vor-Ort-Apotheken gewählt werden. Während der Verbraucher über einen Button zu verschiedenen Versendern gelange, führten erst fünf bis sechs Klicks zu einer Vor-Ort-Apotheke. „Wir wollen nicht, dass wir bevorzugt werden, aber wir wollen auch nicht benachteiligt werden.“

Außerdem ist Heldmann laut eigenem Bekunden kein Befürworter von OTC-Werbung im Fernsehen. Einzelne Spots bagatellisierten Arzneimittel. „Meines Erachtens führt das auch zu einem Missbrauch.“ Auch manche Beigaben sind ihm zufolge fehl am Platz. Am Beispiel einer Butterbrotdose sagte er, dass manche Zugaben „nicht förderlich für die Seriosität der Produkte ist“. Apotheken sollten nur OTC-Präparate empfehlen, die dem pharmazeutischen Anspruch genügten.

Heldmann hatte 1981 die Heldmann's Apotheke im City Rondell in Villingen Schwenningen eröffnet, 1986 kamen Heldmann's Reformhaus und 1991 Heldmann's Parfümerie im gleichen Ort dazu. Mit diesen Geschäften hat er den Preisverfall Ende der 1990er Jahre selbst erlebt – und sie deshalb aufgegeben: „Ich will mit meiner Apotheke im Beschaffungssektor auf Augenhöhe mithalten können“, sagt er. 2001 zog er nach Augsburg und gründete die Apotheke City Galerie.

2003 war er Gründungsmitglied der Elac Elysée (Guten-Tag-Apotheken). Heute zählt die Kooperation mit Sitz in Hamm rund 400 Mitglieder. Der Verbund der großen Apotheken mit mehr als 2,5 Millionen Euro Umsatz arbeitet mit rund 50 Industriepartnern zusammen. Die Mitglieder werden von den Großhändlern Phoenix, Alliance Healthcare und Gehe beliefert.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Selbstmedikation oder zum Arzt?
Schwitzen: Deo oder Antitranspirant?
Vagisan treibt Wachstum
Wolff bringt Karex für Babys
Mehr aus Ressort
63 Jahre Zusammengehörigkeit
Janssen wird zu Johnson & Johnson

APOTHEKE ADHOC Debatte