Einkaufskonditionen

Großhändler wehren sich gegen Skontokürzung

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Berlin -

Der Skontostreit mit dem Generikahersteller Wörwag geht in die nächste Runde: Derzeit sind die Produkte des Schwesterunternehmens AAA Pharma bei Phoenix und Sanacorp sowie einzelnen privaten Großhändlern nicht erhältlich. Gestritten wird über eine Konditionenkürzung, die der Hersteller Anfang des Jahres vorgenommen hatte. Mit der Noweda hat sich Wörwag inzwischen geeinigt.

Für Rx-Produkte hatte Wörwag den Skontosatz gegenüber den Großhändlern auf 0,5 Prozent gekürzt, dafür wurde das Zahlungsziel von acht auf 20 Tage verlängert. Der Hersteller hatte die Maßnahme mit sinkenden Nettoumsätzen begründet. Beim OTC-Sortiment sollten die Konditionen so bleiben wie zuvor.

Die Noweda hatte reagiert und den Apothekern ihrerseits ab April das Skonto für Rx-Artikel der beiden Hersteller komplett gestrichen. Als weitere Konsequenz sollten zudem die Freiwahlartikel ab Mai ausgelistet werden. Der Hersteller hatte Apothekern daraufhin empfohlen, statt bei der Genossenschaft entweder direkt oder bei anderen Großhändlern zu bestellen.

Inzwischen hat man sich geeinigt. Über Inhalt und Verlauf der Gespräche haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart, Details zu den neuen Konditionen werden nicht verraten. Die Noweda hat gegenüber Apothekern mitgeteilt, dass das Rx-Sortiment von Wörwag und AAA Pharma wieder zu den gewohnten Konditionen zu beziehen sei. Dass Wörwag beim Skonto komplett zurückgerudert ist, erscheint angesichts des Verlaufs der ganzen Auseinandersetzung unwahrscheinlich. Möglicherweise erhält die Genossenschaft andere Vorteile als Entschädigung.

Andere Großhändler kämpfen noch. So bestellt die Sanacorp aktuell gar keine Ware von AAA Pharma. Die Genossenschaft ist offenbar auch nicht willens, die neuen Konditionen zu akzeptieren. Kunden des Großhändlers sind derzeit gezwungen, die Rx-Produkte direkt zu bestellen. Zumindest die Lieferfähigkeit ist dabei offenbar gegeben.

Den gleichen Weg müssen aktuell Phoenix-Kunden beschreiten: Der Großhändler schickt zwar dem Vernehmen nach weiter Bestellungen an den Hersteller, allerdings unter der Voraussetzung, dass dieser zu den alten Konditionen liefert. Weil Wörwag/AAA dazu nicht bereit ist, bekommen auch die Mannheimer derzeit keine Ware. Konzernchef Oliver Windholz will den Einzelfall nicht kommentieren; Debatten über die Lieferkonditionen gehörten zum ganz normalen Tagesgeschäft.

Bei einzelnen privaten Großhändlern soll es dieselbe Situation geben. Gehe, Alliance Healthcare und AEP direkt haben die neuen Konditionen dagegen anscheinend akzeptiert und liefern – zumindest aktuell.

In der Generikabranche war der Vorstoß von Wörwag mit viel Interesse verfolgt worden. Denn die Grundproblematik ist bei allen Herstellern, die bei Rabattverträgen mitbieten, dieselbe: Gewährt ein Hersteller der Kasse beispielsweise 80 Prozent Rabatt, macht ein Prozentpunkt mehr oder weniger beim Skonto auf den Grossoumsatz durchaus einen erheblichen Unterschied.

Der Ausgang der Auseinandersetzung zwischen Wörwag und Noweda ist für die Hersteller wenig ermutigend. Die Genossenschaft hat es geschafft, die Kürzung entweder komplett oder zumindest maßgeblich aus der Welt zu schaffen. Und die anderen Großhändler dürften langfristig nicht bereit sein, schlechtere Konditionen zu akzeptieren.

Wörwag erwirtschaftet rund 170 Millionen Euro, davon mehr als drei Viertel im Ausland. Das Unternehmen gehörte zu den Rabattvertragspartnern der ersten Stunde und hat im OTC-Bereich vor allem sogenannte Biofaktoren im Angebot. 2000 übernahmen Monika Wörwag und Dr. Marcus Wörwag in zweiter Generation die Führung des Unternehmens; Roland Spleiss hat die Firma nach sieben Jahren gerade verlassen. Firmengründer Dr. Fritz Wörwag betreibt nach wie vor die Stadtapotheke in Stuttgart-Zuffenhausen.

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