Boehringer-Chefin: Zeit der großen Blockbuster ist vorbei

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Berlin - Der Fokus der Medizin wird künftig nach Einschätzung der neuen Deutschland-Chefin von Boehringer Ingelheim auf individualisierten Therapien liegen. Der Trend gehe in Richtung differenzierterer Ansätze, sagte Dr. Sabine Nikolaus. Krebserkrankungen etwa würden immer „tumorspezifischer“ und exakter auf den einzelnen Patienten abgestimmt bekämpft. Das heiße auch, dass es anders als in der Vergangenheit nicht mehr die Medikamente geben werde, die bei einer großen Masse von Kranken einheitlich verwendet würden. „Die Zeit der großen Blockbuster wird die Zukunft nicht mehr sein.“

Nikolaus ist seit Jahresanfang Nachfolgerin des langjährigen Boehringer-Landesleiters Stefan Rinn. Am Mittwoch stellt der Konzern seine Bilanz für 2018 vor. Angesichts des Trends zu immer individuelleren Therapien in der Medizin hält Nikolaus Änderungen im Gesundheitssystem für nötig. „Im Moment steht der Preis eines Arzneimittels im Zentrum“, sagte sie. Ganz häufig sei der aber entkoppelt vom eigentlichen Nutzen.

„Wenn Sie mit einem Medikament die Einweisung in ein Krankenhaus hinauszögern oder einen Mensch länger gesund halten können, dann ist das ein Wert an sich, der momentan noch recht wenig berücksichtigt wird“, sagte Nikolaus. Sie rede bewusst nicht vom Preis eines Arzneimittels, sondern vom Wert eines Arzneimittels. Sondern: „Wir brauchen eher volkswirtschaftlich integrativere Betrachtungen von Arzneimittel-Therapien.“

Noch mehr an Bedeutung gewinnen nach Einschätzung von Nikolaus auch Biopharmazeutika – also Arzneimittel, die aus lebenden Organismen gewonnen werden. „Der Trend geht zu großen biopharmazeutischen Molekülen. Das ist der Grund, warum wir dort in der Forschung und Entwicklung investieren“, sagte sie. Nach Angaben der Beratungsgesellschaft EY war der Umsatz mit Biopharmazeutika in Deutschland 2017 um 8 Prozent auf den Rekordwert von 4 Milliarden Euro gestiegen.

Boehringer stärke gezielt seine biopharmazeutische Eigenproduktion – vor allem in Mittel gegen Magen-Darm- sowie Lungenkrebs. Bislang macht in der Biologika-Produktion die Herstellung im Auftrag von Drittfirmen einen beträchtlichen Teil aus. In der Boehringer-Produktpalette stehen Biopharmazeutika Nikolaus zufolge für 40 Prozent – Tendenz steigend. 2018 übernahmen die Ingelheimer das Biopharma-Unternehmen Viratherapeutics aus Innsbruck.

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