Phytohersteller

Bionorica feiert Firmenchef

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Berlin -

Bei Bionorica werden in diesem Jahr gleich mehrere Jubiläen gefeiert. Der Firmenchef Professor Dr. Michael Popp wird 60 Jahre alt. Zudem übernahm er vor 30 Jahren als junger Pharmazeut die Firma mit Sitz im oberpfälzischen Neumarkt. Er setzte sich intensiv für Forschung ein und will bald weitere neue Arzneimittel auf den Markt bringen.

„Forschungspionier für Naturarzneien“ – mit dieser Bezeichnung wird Popp mitunter beschrieben. Sein Faible für Phytoprodukte bringt er sofort in die Firma ein, als er diese übernimmt. Damals hat er gerade sein pharmazeutisches Staatsexamen in der Tasche und eine eine klare Vision, wie er das Unternehmen seiner Familie in die Zukunft führen will: Er will den pflanzlichen Produkten zu wissenschaftlicher Anerkennung verhelfen – ohne die naturheilkundliche Klientel zu verprellen.

Schon der Firmengründer und Großvater des heutigen Geschäftsführers, Josef Popp, legte nach der Gründung des Unternehmens im Jahr 1933 großen Wert auf Evidenz. Er war ein Quereinsteiger, der als Ingenieur zur Naturheilkunde kommt, weil ein Heilpraktiker erfolgreich seine Kriegsverletzung kuriert hat. Popp las sich gründlich in den aktuellen Forschungsstand ein und trug akribisch alle verfügbaren Informationen zusammen.

Als Testpersonen für seine ersten Produkte – Tees und Sinupret – dienten Freunde und Kollegen. 1970 wird bei Bionorica ein wissenschaftlicher Arztaußendienst eingerichtet, 1979 startet das Unternehmen kontrollierte Doppelblindstudien. Doch erst der heutige Firmenchef lässt Anbau, Analytik, Pharmakologie, Toxikologie und Klinik intensiv untersuchen.

„Die Nihilierung der Wirksamkeit pflanzlicher Arzneimittel hat mich zutiefst getroffen“, erinnerte sich Popp an den Anfang seiner Karriere. Also habe er versucht, „gute wissenschaftliche Adressen“ für seine Forschungsprojekte zu gewinnen – was zunächst alles andere als einfach gewesen sei: „Keiner wollte seine Zeit in Studien mit etwas investieren, was bei vielen damals noch als ‘Edelplacebos‘ galt.“

Doch das Blatt wendete sich. Mittlerweile hat Bionorica laut Popp mehrere hundert Studien durchgeführt, vor allem in Zusammenarbeit mit Ärzten in Osteuropa, Deutschland und Österreich. Kooperationen gibt es mit mehr als 500 Universitäten und Kliniken weltweit. Für die Verbindung zwischen pflanzlicher Wirkkraft und moderner Pharmaforschung führt Popp 2001 den Begriff Phytoneering ein. 2005 gründet er mit „Bionorica research“ ein hauseigenes Forschungszentrum im „Silicon Valley der Phytoforschung“. Gemeint ist Innsbruck, wo Popp 1991 nebenher eine Promotion zum Abschluss brachte und wo er heute Honorarprofessor in analytischer Phytochemie ist.

Der Aufwand rechne sich, sagte der Firmenchef. Mit wissenschaftlichen Daten sei ein Marketing alleine über die Fachkreise möglich – das sei wesentlich preiswerter als klassische Publikumswerbung. Bionorica steckt 15 Prozent seines Umsatz in die Forschung, die Werbung kostet rund 12 Prozent. Nicht zu vergleichen mit dem, was Konkurrenten für einen guten Auftritt ihrer Produkte hinlegen.

Dank seiner Studien schafft es Popp auf die Empfehlungslisten der medizinischen Fachgesellschaften. Jahr für Jahr nimmt der Unternehmer persönlich an Fachkongressen teil und veranstaltet eigene Symposien. „Auf diese Weise bleiben wir auf dem neuesten Stand der Wissenschaft weltweit.“ Die Rückbesinnung auf die Innovationskraft der Natur etwa im Technologiebereich hat seiner Meinung nach auch der Phytotherapie in der Wissenschaftsszene einen gewaltigen Schub gegeben.

Für ihn als Unternehmer sei Forschung auch wichtig, um reproduzierbare Ergebnisse liefern zu können, sagt Popp. „Homogene Qualität und Wirksamkeit ist das A und O, wenn ich zufriedene Kunden, aber auch zufriedene Ärzte und Apotheker will.“ Mit Pflanzen aus der Wildsammlung lässt sich seiner Meinung nach keine gleichbleibende Qualität garantieren – abgesehen davon, dass ganze Bestände schon gefährdet seien.

Bionorica baut seit 1993 in Ungarn und seit 1995 auf Mallorca an: „Das kostet ein Vielfaches dessen, was Sie auf dem Spot-Markt bezahlen. Aber der Rohstoff ist entscheidend. Daher züchten wir unsere ganz eigenen Sorten an Heilpflanzen. Und wir klonen, also kopieren sie, damit jedes Medikament zu jedem Zeitpunkt überall auf der Welt die gleiche Wirkung hat.“

Auch künftig will Popp weiter in Forschung investieren und diese sogar intensivieren. In absehbarer Zeit sollen neue Medikamente in den Bereichen Metabolisches Syndrom, Lebergesundheit und Urologie zur Marktreife gebracht werden, kündigte Popp jetzt an. Angesichts seines Geburtstages ist auch ein Buch über den „Forschungspionier“ erschienen. Auf rund 300 Seiten schildert der Autor Gerhard Waldherr die Geschichte des Mannes, der die Natur entschlüsseln möchte. Das Buch erscheint am 26. September bei Murmann | Haufe und kostet rund 25 Euro.

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