Arzneimittelkriminalität

1A Pharma: Mauritius-Connection

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Berlin -

Die Hexal-Tochter 1A Pharma ist Opfer krimineller Machenschaften geworden. Mindestens zwei Jahre lang wurde Ware von Pharmahändlern für den Export nach Sambia zu günstigen Preisen aufgekauft. Tatsächlich landete die Ware über Umwege wieder auf dem deutschen Markt. Dem Hersteller ist ein zweistelliger Millionenbetrag als Schaden entstanden. In Hamburg hat in dieser Woche der Prozess begonnen.

Zwischen Juli 2013 und November 2014 soll 1A Pharma mindestens 14-mal betrogen worden sein, außerdem gab es zwei Versuche, die letztendlich aber scheiterten. Unter Vortäuschung einer Weiterlieferung nach Sambia sollen Präparate im Gesamtwert von 13,6 Millionen Euro günstig erworben und unter Verschleierung des Lieferweges und der zugrunde liegenden Verkaufsgeschäfte in Deutschland zu deutlich erhöhten Preisen verkauft worden sein.

Zunächst wurden die Medikamente per Luftfracht nach Kapstadt geliefert. Von dort aus ging der größte Teil der Ware nicht ins Nachbarland, sondern nach Zürich. In den begleitenden Frachtpapieren wurde angegeben, dass die Arzneimittel anschließend nach Port Louis auf Mauritius transportiert werden sollten. Noch am Flughafen übernahm eine belgische Spedition die Arzneimittel, um sie zur Verschiffung nach Antwerpen zu transportieren.

Tatsächlich wurden die Arzneimittel in Antwerpen mit neuen Zollpapieren versehen, nach denen es sich nunmehr um aus der Schweiz stammende Ware handeln sollte. Hinweise auf die tatsächliche Herkunft ergaben sich aus diesen Unterlagen nicht mehr. Nun wurden die Arzneimittel tatsächlich zurück nach Hamburg gebracht, von wo aus sie schließlich nach Umverpackung in neutrale Versandkartons über Zwischenhändler an den Großhandel verkauft wurden.

Zur Verschleierung der Warenströme wurden zwischen den beteiligten Unternehmen in Deutschland, Mauritius, Serbien und Belgien Rechnungen erstellt, die zugrunde liegenden Geschäftsbeziehungen unzutreffend wiedergaben. Der jeweils ausgewiesene Rechnungsbetrag wurde innerhalb der Kette stets erhöht, sodass Gewinne, die sich aus der Preisdifferenz ergaben, unter den verschiedenen Beteiligten verteilt wurden.

Neun Beteiligte zwischen 38 und 69 Jahren müssen sich vor dem Landgericht Hamburg (LG) verantworten. Die Anklage lautet auf gewerbs- und bandenmäßigen Betrug sowie Verstoß gegen das Arzneimittel- und das Markengesetz. Sie haben laut Staatsanwaltschaft Ware in den Verkehr gebracht, die nicht mehr verkehrsfähig war.

Ein Hamburger Pharmahändler habe die Medikamente gutgläubig aufgekauft, so „Die Welt“. Ebenfalls in Hamburg habe der Drahtzieher gesessen, ein Arzneimittelgroßhändler, der jedoch vor mehr als zwei Jahren verstarb und daher nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden konnte. An seiner Stelle stehen nun frühere Angestellte und vermeintliche Mitwisser vor Gericht.

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