Internetkriminelle haben die Apotheken im Visier: Nach dem Vorfall bei Merck sind auch gefälschte Rechnungen anderer Hersteller im Umlauf. Arvato warnt aktuell vor einem „Sicherheitsvorfall“ mit Bezug auf Rechnungen von Biogen. Das Biotechunternehmen vertreibt Hochpreiser.
Arvato informierte Apotheken im Auftrag von Biogen „über einen isolierten Sicherheitsvorfall im Zusammenhang mit einer von Arvato per E-Mail versendeten Rechnung“. In dem Fall sei nach der erfolgreichen Übermittlung der Rechnung durch Arvato das E-Mail-Konto des Empfängers von einer unbefugten Person kompromittiert worden.
Die Betrüger manipulierten die Rechnung im Anschluss, wodurch die IBAN geändert wurde. Sie wurde demnach an den Endkunden mit den falschen Bankdaten weitergeleitet. „Leider führte dies dazu, dass die Rechnung an eine falsche IBAN überwiesen wurde“, heißt es weiter.
Der Rechnungsdienstleister will beruhigen: „Wir möchten betonen: Es handelt sich um einen isolierten Vorfall. Die Systeme von Arvato wurden nicht kompromittiert. Unsere Bankverbindung hat sich nicht geändert“, heißt es in dem Schreiben.
Dennoch regt sich in Apotheken Unsicherheit. Denn Biogen bietet Hochpreiser wie Spinraza (Nusinersen), Qalsody (Tofersen), Plegridy (Peginterferon beta-1a) oder Tysabri (Natalizumab), an. Die Kosten liegen teils im sechsstelligen Bereich. Der Vertrieb läuft direkt mit Apotheken. Die Überweisung an ein gefälschtes Bankkonto könne einen Betrieb ruinieren, sagt eine Inhaberin aus Rheinland-Pfalz.
Arvato empfiehlt als Vorsichtsmaßnahme: „Überweisen Sie kein Geld auf Konten, die Sie nicht kennen oder erwarten.“ Zudem sollten die Bankverbindungen geprüft werden, gerade wenn sie von bisherigen Rechnungen abwichen. „Stellen Sie sicher, dass Ihre E-Mail-Konten sicher sind“, fordert die Firma. Zudem sollten Passwörter regelmäßig aktualisiert werden. „Wenn Sie eine Rechnung oder Zahlungsaufforderung erhalten, die ungewöhnlich erscheint oder unerwartete Änderungen enthält, kontaktieren Sie uns bitte vor der Zahlung sofort.“
Die gleiche Masche wurde jüngst bei Merck-Rechnungen verwendet: Auch im Namen des Herstellers gingen Schreiben an Apotheken. Es handele sich laut Konzern um „gezielte Cyberangriffe auf die IT-Systeme der Rechnungsempfänger“. Die Originale würden abgefangen. Mehrere Inhaberinnen und Inhaber verloren deshalb hohe Geldbeträge.