Bombe trifft Apotheke

Verletzte Apothekerinnen: Ministerium gibt Opfern ein Gesicht

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Berlin -

Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine trifft auch Apotheken – und fordert dort Opfer, wo Menschen pharmazeutische Hilfe leisten und dringend benötigen. In Charkiw wurde bei einer Bombardierung eine Apotheke getroffen und eine Approbierte schwer verletzt. Die Apothekenkette Apteka 9-1-1 und das ukrainische Gesundheitsministerium machen gemeinsam auf die Opfer – sowohl Angestellte als auch Kund:innen – in Apotheken aufmerksam.

Das ukrainische Gesundheitsministerium lobt die Leistung der Mitarbeiter:innen im Gesundheitswesen – „für den Mut, das Durchhaltevermögen und den unzerbrechlichen Zusammenhalt“, so das Ministerium bei Facebook. Dazu werden zwei Fotos veröffentlicht – auf dem einen ist Nina Oleksandrivna Zhuk an ihrem Arbeitsplatz in der Apotheke zu sehen. Die Pharmazeutin schaut zufrieden in die Kamera. Die Aufnahme entstand den Informationen zufolge am 24. Februar. An diesem Tag rief der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den Kriegszustand für das Land aus.

Apothekerinnen mit schweren Schnittwunden im Gesicht

Das zweite Foto zeigt dieselbe Frau, nach der Bombardierung der Innenstadt, wie es in dem am Freitag veröffentlichten Beitrag heißt. Bei dem Beschuss habe die Apothekerin schwere Verletzungen erlitten. Augen und Gesicht sind geschwollen und sie hat zahlreiche Schnittwunden. Nina Oleksandrivna Zhuk stünden zahlreiche Operationen und eine lange Rehabilitation bevor, um wieder ein normales Leben führen zu können, so das Ministerium.

„Leider ist dieses Bild noch lange nicht das erste und nicht der einzige Beweis dafür, dass die Invasoren gegen alle internationalen Konventionen und Doktrin verstoßen“, heißt es weiter in dem Beitrag. Das Foto sei nicht nur ein Beweis für Grausamkeit und Gemeinheit und Unmenschlichkeit, sondern zeige auch, dass Angehörige der medizinischen Berufe selbst in den Pausen zwischen dem Beschuss zur Arbeit gingen. „Einige von ihnen leben in Apotheken oder Krankenhäusern, weil sie wegen des Krieges ihre Häuser verloren haben. Sie riskieren jeden Tag das wertvollste, was ihnen noch bleibt – ihr eigenes Leben – damit andere Hilfe bekommen können.“

Auch der Arbeitgeber der Apothekerin teilte die Fotos über Facebook. Sie habe zugestimmt, die Aufnahmen zu zeigen. „Damit die Welt weiß, unter welchen Bedingungen Apotheker arbeiten. Sie setzen ihr Leben aufs Spiel, um anderen zu helfen“, schreibt die Apothekenkette Apteka 9-1-1. Auch ihre 61-jährige Kollegin Ljudmila Potabrik sei schwer verletzt worden. Auf einem Foto werden ihre Schnittverletzungen im Gesicht und am Kopf gezeigt.

Apotheker:innen riskieren ihr Leben

„Die Welt sollte wissen, unter welchen Bedingungen Menschen in Apotheken in Kharkiw arbeiten. Darüber, wie gefährlich es ist, für benötigte Medizin in eine Apotheke zu kommen. Wie Apotheker ihr Leben riskieren, um anderen Menschen zu helfen.“ Der Angriff auf diese Apotheke ist nicht der einzige Fall, bei dem Mitarbeiter:innen verletzt wurden: Bei einer Bombardierung am 17. März starben in einer Apotheke in Kosatscha Lopan mehrere Menschen, darunter zwei Apothekenangestellte und eine Kundin.

Immer wieder berichten Flüchtlinge an der polnisch-ukrainischen Grenze, dass sie nicht nur ihre Männer im Krieg zurücklassen mussten, sondern auch Verwandte, die im Gesundheitswesen arbeiten und sich entschieden haben, bei ihren Patientinnen und Patienten zu bleiben und auch den Kriegsopfern in ihrer Heimat zu helfen. In einem Beitrag kam eine Frau zu Wort, deren Schwester in einer Apotheke arbeitet und die nicht mit ihren Verwandten geflüchtet war – weil sie es als ihre Pflicht ansah, den Menschen vor Ort zu helfen.

Das Gesundheitssystem in der Ukraine ist der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge deutlich von den Angriffen betroffen. Bislang wurden 64 Angriffe bestätigt, wie es vergangene Woche hieß. Das bedeute zwei bis drei Angriffe pro Tag. Insgesamt seien bei diesen Attacken 15 Menschen getötet und 37 verletzt worden.

Der Zugang zu Gesundheitsdiensten sei durch den Krieg stark eingeschränkt worden, der Bedarf an Behandlungen von Traumata und chronischen Erkrankungen groß. Zerstörte Gesundheitsinfrastruktur und unterbrochene medizinische Versorgungsketten stellten eine ernsthafte Bedrohung für Millionen Menschen dar. Es werde angenommen, dass etwa jede zweite Apotheke in der Ukraine geschlossen sei.

Seit dem 24. März sind dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zufolge fast vier Millionen Menschen geflohen. Mit rund 2,3 Millionen halte sich große Mehrheit in Polen auf. Auch in Deutschland kamen bereits tausende Geflüchtete an. Hierzulande bemühen sich Behörden, Hilfsorganisationen und Privathaushalte, die Kriegsflüchtlinge aufzunehmen und zu versorgen.

Viele Apothekenteams möchten den Menschen in der Ukraine und den vielen Flüchtlingen irgendwie helfen. Apotheker ohne Grenzen (AoG) hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um die Versorgung mit dringend benötigten Medikamenten zu ermöglichen.

Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.
Deutsche Apotheker- und Ärztebank

BLZ: 300 606 01
IBAN: DE 88 3006 0601 0005 0775 91
BIC: DAAEDEDDXXX

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