Arzneimittelpreise

Trump und Novartis werden Freunde

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Berlin -

Nach der Ankündigung des Novartis-Chefs Vas Narasimhan, in diesem Jahr die Preise für Medikamente in den USA nicht zu erhöhen, hat sich US-Präsident Donald Trump über Twitter beim Schweizer Pharmakonzern bedankt. „Vielen Dank an Novartis, dass Sie Ihre Preise für verschreibungspflichtige Medikamente nicht erhöht haben. Gleiches gilt für Pfizer.“

Man sei dabei, einen großen Schritt zu machen, um die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente zu reduzieren oder sogar „substanziell“ zu senken, erklärte Trump am Donnerstag. US-Arzneimittelexperten sehen die Entscheidung von Novartis allerdings vor allem im Zusammenhang mit der Affäre um Millionenzahlungen an den Trump-Anwalt Michael Cohen. Der Konzern habe wegen der Korruptionsvorwürfe weitere Kontroversen vermeiden wollen, so die Lesart. Den Chef-Juristen des Konzerns hat die Affäre bereits den Job gekostet.

Vergangene Woche hatte der US-Präsident scharfe Kritik am Pharmariesen Pfizer geäußert. „Pfizer und andere sollten sich schämen, dass sie ihre Arzneimittelpreise ohne Grund angehoben haben“, schrieb er ebenfalls auf Twitter. Die Pharmakonzerne würden „sich einen Vorteil verschaffen auf Kosten der Armen und derer, die sich nicht verteidigen können“, während sie „Ländern in Europa und anderswo verhandelte Spottpreise anbieten“. Kurz darauf hatte der Konzern bekanntgegeben, bestimmte Preiserhöhungen für Arzneimittel auszusetzen. Nach „ausführlichen Diskussionen“ mit Trump habe man sich entschlossen, dem Präsident zunächst die Gelegenheit zu geben, an seinem Plan zur Stärkung des Gesundheitssystems zu arbeiten, teilte der Viagra-Hersteller am Dienstagabend mit.

Noch bevor das Unternehmen nun sein Statement abgeben konnte, twitterte der US-Präsident: „Pfizer nimmt seine Preiserhöhungen zurück, so dass amerikanische Patienten nicht mehr zahlen.“ Er hoffe, dass andere Firmen das Gleiche täten. Noch im Mai hatte der US-Präsident angekündigt, die Konzerne würden schon bald freiwillig „massive Preissenkungen“ bekanntgeben. Das war bis jetzt nicht der Fall.

Schon während des Wahlkampfs hatte Trump den Arzneimittelherstellern vorgeworfen, sie würden „ungeschoren davonkommen“ („getting away with murder“) und mehrfach versprochen, etwas gegen die hohen Arzneimittelpreise in den USA – es sind die höchsten der Welt – zu unternehmen. Scott Gottlieb, der von Trumps Administration eingesetzte Direktor der US-Arzneimittelbehörde FDA, hatte bekanntgegeben, das Problem mit schnelleren Zulassungen und erhöhtem Preisdruck durch Generikakonkurrenz lösen zu wollen.

Für Novartis dürfte der ausgebliebene Konflikt mit Trump das Sahnehäubchen auf einer guten Woche sein: Bei der Vorstellung der Quartalsbilanz überraschten die Schweizer mit unerwartet guten Zahlen Umsatz und Ergebnis fielen besser aus als von Analysten erwartet. Am Aktienmarkt kamen die Nachrichten gut an. Die Aktie schloss gut 3 Prozent im Plus.

Auf Konzernebene stieg der Umsatz zwischen April und Juni um 7 Prozent auf knapp 13,2 Milliarden US-Dollar. Dabei konnte Novartis vor allem bei den wichtigen Krebsarzneien die Umsatzeinbußen des unter Konkurrenzdruck leidenden Mittels Glivec mit anderen Medikamenten mehr als ausgleichen. Auch der Umsatz mit Hoffnungsträgern wie Entresto gegen Herzinsuffizienz und Cosentyx gegen Schuppenflechte legte stark zu. Etwas schwächer entwickelte sich hingegen die Generika-Sparte Sandoz, die währungsbereinigt einen leichten Umsatzrückgang hinnehmen musste. Wegen des anhaltenden Preisdrucks in den USA zeigten sich die Schweizer für das Gesamtjahr etwas vorsichtiger.

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