Kampfangebot im Versendermarkt

Rx-Abo bei Amazon: Ein halbes Jahr für 6 Dollar

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Berlin -

Amazon pusht seinen Rx-Versand in den USA mit extremen Rabatten. Am Dienstag gab der Konzern bekannt, dass Prime-Kund:innen die Halbjahresversorgung mit bestimmten verschreibungspflichtigen Arzneimitteln künftig für 6 Dollar (4,92 Euro) erhalten können.

Ein halbes Jahr Simvastatin für 6 Dollar – ohne Versicherung, ohne Versandkosten: Amazon startet einen Großangriff auf die Apothekenketten und die Versandkonkurrenz gleichermaßen. Bereits zum Start von Amazon Pharmacy hatte der Konzern mit Kampfpreisen von bis zu 80 Prozent Rx-Rabatt geworben. Berichten der US-Nachrichtenagentur Reuters und des Wirtschaftsnachrichtendienstes Bloomberg zufolge hat Amazon am Dienstag in den USA ein neues Angebot gestartet, das sich vor allem an un- oder unterversicherte Patienten richtet.

Die meisten US-Krankenversicherungen würden Halbjahresverordnungen nicht abdecken, bei vielen anderen würden hohe Zuzahlungen verlangt. Vor allem für Menschen aus unteren oder mittleren Einkommensschichten werden Indikationen wie hoher Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte oder Diabetes damit zu einer spürbaren finanziellen Belastung. Genau hier greift Amazon nun an und bietet extreme Rabatte für Arzneimittel gegen diese Erkrankungen, darunter der Cholesterinsenker Simvastatin oder aber der Blutdrucksenker Amlodipin.

Neben dem Abwerben von Patienten von Von-Ort-Apotheken und anderen Versendern, kann Amazon über die Preisschraube auch neue Prime-Kund:innen gewinnen: Eine 30er-Packung Simvastatin 80mg beispielsweise liegt ohne Prime-Mitgliedschaft bei 24,60 Dollar (20,18 Euro). Die Zustellung wird dann versandkostenfrei innerhalb von vier bis fünf Tagen zugesichert. Prime-Kund:innen hingegen erhalten ihre Arzneimittel innerhalb von zwei Tagen.

Seit 2006 biete die Supermarktkette Wal-Mart eine Monatsration bestimmter Generika zum Pauschalpreis von 4 Dollar an, für 10 Dollar können sich Verbraucher für drei Monate eindecken. Andere Ketten zogen nach und zahlten in der Preisschlacht manchmal sogar drauf.

Das Angebot deutet erneut darauf hin, dass es Amazon nicht so leicht fällt, im Arzneimittelmarkt Fuß zu fassen. Nach wie vor bezieht auch in den USA die absolute Mehrheit der Patient:innen ihre Arzneimittel in Vor-Ort-Apotheken, meist bei den großen Ketten wie CVS, Walgreens oder Rite Aid. Einem Bericht des US-Wirtschaftsmagazins Business Insider zufolge führt der Konzern deshalb momentan Gespräche, um die Möglichkeit der Eröffnung eigener Apotheken auszuloten.

So sei diskutiert worden, eigene Apotheken an einer Handvoll Standorte zu eröffnen, darunter Boston und Phoenix. Alternativ stehe Möglichkeit im Raum, Apothekenabteilungen innerhalb der Filialen der von Amazon gekauften Supermarktkette Whole Foods zu eröffnen. Gemeint ist damit kein Shop-in-Shop-Modell, wie es Zur Rose in Schweizer Migros-Filialen betreibt, sondern kleine Apotheken samt Personal, wie sie in den USA beispielsweise in den Filialen der Supermarktkette Walmart üblich sind.

Allerdings gebe es noch keine konkreten Pläne, berichtet Business Insider unter Berufung auf drei Amazon-Manager, die mit dem Thema vertraut sind. Es gehe in den Gesprächen vorerst nur darum, solche Szenarien auszuloten. Allein das habe aber schon gereicht, am Tag der Meldung Börsenwerte in Höhe von sechs Milliarden Dollar zu verbrennen: Die Aktien der großen US-Apothekenketten Walgreens und Rite Aid gingen um 4, die von CVS um 3 Prozent nach unten. Amazon selbst wollte die Berichte nicht kommentieren.

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