Kammerpräsident alarmiert

Bericht: China verbietet Arzneimittelexporte

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Berlin -

Nach Indien könnte auch China den Export von wichtigen Arzneistoffen beschränken. Nach französischen Medienberichten haben die Behörden wegen der explodierenden Corona-Fallzahlen die Ausfuhr insbesondere von Paracetamol und Ibuprofen untersagt. Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlands, warnt vor dramatischen Folgen.

Vor zwei Wochen hatte die chinesische Regierung die „Null-Covid“-Politik über Bord geworfen, seitdem steigen die Infektionszahlen dramatisch. Laut dem Bericht des Radiosenders „France Info“ wurden die Pharmafirmen nicht nur angewiesen, die Produktion etwa von Schmerz- und Fiebermitteln auf ein Maximum zu erhöhen, sondern auch der Verkauf von Produkten ins Ausland untersagt. Stattdessen sei man sogar dazu übergegangen, fehlende Ware aus dem Ausland zu importieren. Eine Quelle nennt der Bericht nicht.

Auf der Website der chinesischen Arzneimittelbehörde NMPA (National Medical Products Administration) findet sich dazu kein Hinweis. Erst vor zwei Tagen hatten Medien berichtet, dass die Aufsicht keinen Hinweis auf Engpässe sehe: Es gebe genügend Ausgangsstoffe für die Produktion von Ibuprofen und Paracetamol, so der chinesische Fernsehsender CCTV. 446 Hersteller seien für die Produktion von Ibuprofen zugelassen und 986 für Paracetamol. Jeweils etwas mehr als 100 davon seien im vergangenen Jahr auch aktiv gewesen. Allerdings hatte CCTV auch berichtet, dass es in einigen Landesteilen derzeit Lieferengpässe gebe.

So oder so – Saar ist alarmiert: „Uns wird zurzeit auf dramatische Weise vor Augen geführt, was es bedeutet, nicht nur bei lebenswichtigen Medikamenten von einem einzigen Land abhängig zu sein. Die insoweit von vielen Akteuren des Gesundheitswesens bereits seit Jahren ausgesprochenen Warnungen wurde sowohl von der Politik als auch insbesondere von den gesetzlichen Krankenkassen als Panikmache und Lobbyismus bequem zur Seite geschoben.“

Wie lange der sich jetzt sogar verschärfende Arzneimittelmangel anhalten werde, sei nicht zu sagen. „Die Erfahrungen aus den zurückliegenden Corona-Jahren lassen aber befürchten, dass China über Monate hinweg einen derartigen Bedarf an Arzneimitteln haben wird, dass mit einer Besserung in Deutschland nicht zu rechnen ist. Unter Berücksichtigung der weltpolitischen Lage, insbesondere der Spannungen zwischen China und Taiwan, die sich immer deutlicher abzeichnen, fürchte ich, dass wir sehr schweren Zeiten entgegengehen werden. Insbesondere Apotheken und Arztpraxen tun ihr Bestes, um die Patientinnen und Patienten noch irgendwie versorgen zu können, jahrelanges politisches offensichtliches Missmanagement kann allerdings dadurch nicht kompensiert werden.“

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