L-Thyroxin, Metoprolol, Pantoprazol

Risiko: Online-Wiederholungsrezept

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Berlin -

Zahlreiche Plattformen bieten Medikamente zu bestimmten Erkrankungen per Online-Fragebogen an. Bisher mussten Nutzer:innen selbst zahlen. Bei Medikamendo kann zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse verordnet werden. Die Indikationen, die behandelt werden können: Hypertonie, Hypothyreose, Diabetes, Sodbrennen, Hypercholesterinämie und Covid-19.

Wer unter einer chronischen Erkrankung leidet, der weiß, wie zeitraubend es sein kann, ein neues Rezept für die benötigte Medikation zu erhalten. Dabei hat der regelmäßige Gang zum Arzt oder zur Ärztin ja auch einen Sinn: Vor Ort erfolgt eine Verlaufskontrolle. Blutwerte oder Aufzeichnungen zum Blutdruck können kontrolliert und besprochen und gegebenenfalls die Medikation angepasst werden.

Pantoprazol – klassischer Symptomüberdecker

Im HV weisen Apotheker:innen und PTA bei der Abgabe von PPI immer darauf hin, dass die Einnahme auch zur Überdeckung von Symptomen führen kann. Denn das saure Aufstoßen kann auch andere, schwerwiegendere Ursachen haben als die alleinige Überproduktion von Salzsäure. Die Besiedlung mit Helicobacter pylori, oder das Vorhandensein eines Magengeschwürs sind nur zwei Möglichkeiten. In der Selbstmedikation ist spätestens nach einem Monat Schluss mit der Tabletteneinnahme. Doch auch im Rx-Bereich sollte die Einnahme regelmäßig kontrolliert werden. Und: PPI, vor allem Omeprazol, haben zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Der dauerhaft verminderte Säuregehalt im Magen kann zu einem erhöhten Risiko der Bakterienaufnahme in den Körper führen.

Hypertonie – Verlaufskontrolle wichtig

Viele Blutdruckpatient:innen kennen das Problem: Ändern sich die Lebensumstände, dann ändert sich auch der Blutdruck. Bei der Einnahme neuer Medikamente für andere Erkrankungen kann der Blutdruck ebenfalls aus dem Gleichgewicht kommen. Blutdruckschwankungen zu erkennen und zu behandeln ist gar nicht so einfach. Hypertoniker, die regelmäßig zur Kontrolle kommen, profitieren von einem dauerhaft besser eingestellten Blutdruck. Wer seine Folgerezepte online ordern möchte, der sollte eine höhere Dokumentations-Disziplin an den Tag legen. Nur durch regelmäßiges Blutdruckmessen von zu Hause aus kann der behandelnde Arzt/die behandelnde Ärztin bei weiter auseinanderliegenden Kontrollen sichergehen, dass der Blutdruck noch gut eingestellt ist. Das wohl größte Problem bei Bluthochdruck: Die Erkrankung tut nicht weh. Sollten die Werte nicht stimmen, so bemerkt der/die Patient:in es mitunter gar nicht. Dauerhaft führt ein zu hoher Blutdruck aber zu Folgeerkrankungen. Das regelmäßige Gespräch mit dem Arzt/der Ärztin kann Spätfolgen abmildern.

L-Thyroxin mit besonders enger therapeutischer Breite

Das Finden der korrekten Dosis kann bei Schilddrüsenerkrankungen schwierig sein. Egal ob Hyper- oder Hypothyreose – oftmals dauert es Wochen, bis der/die Patient:in richtig eingestellt ist. Die Symptome, die L-Thyroxin bei Über- oder Unterdosierung auslösen kann sind genauso vielfältig, wie die Symptome der Erkrankungen selbst. Generell gestaltet sich die L-Thyroxin-Therapie aufgrund der engen therapeutischen Breite, der zahlreichen Interaktionen und der individuellen Dosiseinstellung als nicht einfach. Das Hormon steht auf der Substitutionsausschlussliste – Patient:innen dürfen also nur das Präparat erhalten, welches auch verordnet ist. Die Abgabe eines anderen Herstellers ist nicht erlaubt. Im Handverkauf zeigt sich, dass es die Gruppe Patient:innen gibt, die seit Jahren ein und dieselbe Stärke vorbildlich 30 Minuten vor dem Frühstück einnehmen. Doch das sind bei Weitem nicht alle: Die Beratung zu L-Thyroxin kann sehr umfangreich werden. Insbesondere dann, wenn das Therapieschema aus zwei Tabletten verschiedener Stärken auf einmal oder im täglichen Wechsel besteht, junge Frauen eine Schwangerschaft planen oder neue Ernährungstrends mit geänderter Jodaufnahme umgesetzt werden sollen. Hier ist die Beratungsleistung der Apotheke gefragt, unter Umständen sollte auch der Arzt/die Ärztin informiert werden.

Covid-19

Auch die beiden antiviralen Oralia Paxlovid (Pfizer) und Lagevrio (MSD) können nach Beantwortung weniger Fragen bestellt werden. Die beiden Covid-Medikamente sollten bei bestehendem Risiko für einen schweren Verlauf frühzeitig eingenommen werden. Ein positiver PCR-Test muss vorliegen. In München besteht auch die Möglichkeit, dass medizinisches Personal nach Hause kommt und einen Abstrich nimmt. Der Vorteil in diesem Fall: Die Betroffenen müssen ihre Isolation nicht verlassen. Nachteilig: Paxlovid und Lagevrio sind beratungsintensive Präparate mit engem Einnahmeschema und zahlreichen Wechselwirkungen. Die Apotheke, die das Medikament ausliefert, sollte ausreichend Informationen beilegen (vorgeschriebenes Informationsmaterial plus weiterführende Informationen).

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