Qualitätskriterien statt Fristen

Gematik: Noch kein Zeitplan für E-Rezept-Erprobung

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Berlin -

Die Gematik hat zur Erprobung des E-Rezepts einen neuen Fahrplan beschlossen – aber noch keinen neuen Zeitplan. 30.000 E-Rezepte sollen getestet werden, allerdings nicht allein im ersten Quartal.

Es kommt einem kleinen Paradigmenwechsel gleich: Bisher hatten bei der Gematik stets die teils gesetzlich festgeschriebenen Fristen zur Erprobung und Einführung des E-Rezepts gegolten. Zum Unmut vieler Leistungserbringer wurde stoisch an diesen Fristen festgehalten, auch wenn die bisher erreichten Ergebnisse absehbar nicht ausreichen würden. Nachdem das Bundesgesundheitsministerium (BMG) kurz vor Weihnachten die Notbremse zog und die verpflichtende Einführung zum 1. Januar absagte, war erst einmal unklar, wie genau es weitergehen soll. Vor einer Einführung müsse weiter intensiv getestet werden.

Ende Januar einigten sich die Gesellschafter der Gematik dann auf Qualitätskriterien: Mindestens 30.000 E-Rezepte sollen demnach erfolgreich getestet werden, bevor eine Einführung denkbar ist. Wie die Gematik nun auf Anfrage mitteilt, ist das keineswegs für das erste Quartal angedacht. Stattdessen gebe es diesmal anders als bisher keinen Zeitplan. Anders ausgedrückt: Anstelle der Frist soll nun die Erfüllung der Kriterien treten. Damit folgt die Gematik ein weiteres Mal den Forderungen ihrer Gesellschafter, die sich Anfang Dezember mit einem Brandbrief an die Öffentlichkeit gewagt und einen Kurswechsel bei der Erprobung des E-Rezepts gefordert hatten.

„Der Gegenvorschlag der Vertreter der Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Krankenhäuser sowie Kostenträger, die Beendigung der erfolgreichen Testung an transparente Qualitätskriterien anzubinden, die jeder Anbieter zu erfüllen hat, wurde somit abgelehnt“, schrieben die Spitzenverbände der Leistungserbringer damals noch. Das hat sich nun offenbar geändert.

Einen groben Zeitplan, der dann wahrscheinlich nicht verbindlich ist, will die Gematik dennoch in naher Zukunft vorstellen. Allerdings sei momentan noch nicht genau absehbar, bis wann die 30.000 E-Rezepte durchgelaufen sind, da viele Primärsystemhersteller momentan noch dabei sind, ihre Kunden in Apotheken und Arztpraxen auszurüsten und für den Empfang und die Verarbeitung von E-Rezepten auszurüsten. Bis Ende März werde die Zahl deshalb voraussichtlich nicht erreicht werden.

Außerdem will die Gematik, wie bereits Ende Januar beschlossen, künftig allen Beteiligten „regelmäßig aktuelle Daten zu Lage, Ausstattungsgrad und Einsatzbereitschaft liefern“. Um weitere Verwerfungen und Verzögerungen zu verhindern, hätten die Krankenkassen außerdem eine enge Zusammenarbeit mit Apotheken zugesichert, damit technische Fehler bei der Abrechnung nicht zur Retaxierung führen, also die Erstattung nicht verweigert wird, wenn die Arzneimittel abgegeben wurden.

Die Gematik soll die Testphase weiterhin eng begleiten und dabei einen Schwerpunkt auf die Evaluierung der Nutzererlebnisse legen. An die Testphase schließt sich die flächendeckende Einführung an. „Die weitere Planung stimmen die Gesellschafter in Zusammenarbeit mit der Gematik ab“, so das mehrheitlich bundeseigene Unternehmen.

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