Desinfektionsmittel aus der Brennerei

Noweda listet Lautergold Alexander Müller, 24.04.2020 15:35 Uhr

Berlin - Blauer Bison, Lauterer Luft oder Saxon heißen Produkte, mit denen die Firma Lautergold normalerweise ihr Geld verdient. Doch wie viele Brennereien ist auch das Unternehmen aus dem sächsischen Lauter-Bernsbach derzeit als Lieferant gefragt. Lautergold besorgt aber nicht nur die Ausgangsstoffe für Desinfektionsmittel, sondern hat kurzerhand eine eigene Produktion aufgezogen – mit Hilfe eines befreundeten Apothekers. Die Noweda hat das Produkt SeptoEx als erster Großhändler an Lager genommen.

Weil Lautergold Geschäftskontakte nach China hält, ahnte Geschäftsführer Jörg Haupt früh, was auf Deutschland zukommt. Schon im Januar überlegte er, wie man den eigenen Alkohol umarbeiten könnte. Gut, wer einen Apotheker im Freundeskreis hat. Mit Dr. Stefan Spaniel aus Feuchtwangen ist Haupt seit Studententagen befreundet, der Apotheker brachte die Expertise und die Kontakte mit.

Spaniel beriet Haupt zur WHO-Rezeptur und bei der korrekten Beschriftung der Etiketten. Der Apotheker vermittelte auch die Noweda. Der Großhändler war von dem Produkt überzeugt und hat es gelistet. Haupt zufolge verkauft Lautergold seit acht Wochen im Durchschnitt etwa 20.000 Liter SeptoEx, etwa die Hälfte läuft über die Noweda, 13 Niederlassungen werden beliefert. Aber auch sächsische Klinken und Altenpflegeheime zählen zu den Kunden. „Darauf haben wir von Anfang an Wert gelegt. Wir hätten auch alles auf einen Schlag an einen Händler verkaufen können, aber wir wollten in der Region verteilen an die, die es benötigen“, so Haupt.

Am Anfang wurde das Desinfektionsmittel von den Mitarbeitern selbst in 5- und 10-Liter-Kanister abgefüllt Doch Haupt hat einen fünfstelligen Betrag in eine Abfüllanlage investiert. „Erst haben wir improvisiert, jetzt wird professionalisiert“, beschreibt der Geschäftsführer das Hineinwachsen in den neuen Geschäftsbereich. Und das ging schnell: Mit einem Schlag war Lautergold so erfolgreich, dass bereits Ethanol-Engpässe drohen. „In Deutschland ist Ethanol kaum noch verfügbar“, so Haupt. Der Preis habe sich seit Beginn der Corona-Krise vervierfacht.

Apropos Preis: Günstig ist SeptoEx nicht. Der Großhandel zahlt zwischen 80 und 90 Euro für einen 10-Liter-Kanister. Dafür sei die Qualität auch höher als bei anderen Produkten. So dürften Apotheken derzeit aus Bioethanol Desinfektionsmittel herstellen. Doch diese Vorstufe des Trinkalkohols sei weniger rein und normalerweise nicht für den Privatgebrauch zugelassen, erläutert Haupt. Wenn die Ausnahmegenehmigung ausläuft, werde sich Qualität durchsetzen, ist der Geschäftsführer überzeugt. Deshalb will er das Geschäft mit Desinfektionsmitteln zu einem zweiten Standbein ausbauen. Seit dieser Woche ist auch eine 1-Liter-Flasche verfügbar.

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