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Wunderweib: Zicke in der Apotheke

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Berlin -

Kinder sind die Kunden von morgen. Das allein ist ein Grund, sie in der Apotheke freundlich zu behandeln. Aber auch darüber hinaus ist es nett, wenn Große im Umgang mit Kleinen Geduld beweisen. Im Fall einer Bloggerin von „Wunderweib“ ging das jetzt gründlich schief: Ihre zweijährige Tochter wurde von einer Apothekenmitarbeiterin angeblafft: „Nur mit den Augen gucken, nicht mit den Händen!“ Lélas „Vergehen“: Sie hatte sich eine Cremedose näher anschauen wollen.

Ihre Mutter, Timea Sternkopf, war empört und macht ihrem Ärger online Luft: „Neulich in der Apotheke: Ich stehe an der Kasse und reiche mein Rezept dem Apotheker. Währenddessen läuft meine Tochter Léla im Laden herum. Überall sind Gummibärchen und Wärmflaschen mit Kuscheltierhüllen ausgestellt, sie schaut sich alles neugierig an. Doch letztlich ist es eine langweilige Cremedose im untersten Regal, die ihr Interesse weckt“, schreibt sie auf Wunderweib. Das Kind greift nach der Cremedose – und wird in schroffem Ton ermahnt.

„Und zack, nahm sie ihr die Verpackung aus der Hand“, beschreibt Sternkopf die Szene. „Ich schaute etwas verdutzt den Apotheker an, der wohl auch etwas überrascht war von der Reaktion seiner übereifrigen Mitarbeiterin. Gesagt haben wir beide nichts. Ich wünschte im Nachhinein, ich hätte was gesagt. Schließlich wird mir als erwachsene Kundin auch nicht die Kosmetikverpackung aus der Hand gerissen, nur weil ich sie interessiert von näher betrachte.“

Die Kleine erschrak. „Nicht jedes Kind zerbricht und zerreißt Sachen“, schreibt die Mutter. „Ich verstehe, dass einige Verkäufer bei den Kleinsten von uns panische Schweißausbrüche bekommen. Aber bevor ich ein Kind mit einer schroffen Geste erschrecke, wäre ein wenig Geduld erstmal angebracht.“ Sie plädiert im Umgang mit Kindern für „höfliche Worte“, wie auch im Umgang mit Erwachsenen. „Ich würde mir nie anmaßen, ein fremdes Kind zu schimpfen.“

„Dürfen fremde Menschen mein Kind erziehen?“, fragt Sternkopf. Die Antwort: Ja, wenn es gut läuft! Es gibt das schöne afrikanische Sprichwort: „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ Diesmal ist das mit dem Dorf schiefgegangen. Vielleicht hatte die Mitarbeiterin einfach einen schlechten Tag, vielleicht hatte sie Angst um die Cremedose. Möglicherweise mag sie keine Kinder – das wäre die unerfreulichste aller Erklärungen.

Hätte die Mutter ihr Kind verteidigt, hätte sie zumindest die Chance bekommen, ihr Handeln zu überdenken. So bleibt sie ratlos zurück. Der Apotheker – als Chef des Hauses – blieb ebenfalls stumm. Dumm gelaufen, für alle Beteiligten, besonders für Léla. Für Kinder ist eine Apotheke ein Paradies: Haushohe Regale mit verlockenden Dingen! Und viel besser sortiert als der kleine Spiel-Krämerladen zu Hause. Es gibt vermutlich kein Kind, das da artig stehen bleibt und „nur mit den Augen schaut“.

Die Apotheker sollten das, so lange kein Schaden entsteht, mit Humor nehmen. Wie kürzlich ein Berliner Apotheker, dessen Laden von drei Kindern fröhlich „umgeräumt“ wurde. Die Kinder betatschten alles, spielten am Wasserspender und waren auch nicht leise. Er schüttelte mit einer Mischung aus gespielter Verzweiflung und Resignation den Kopf: „Das sind Stammkunden, die wohnen hier im Haus. Sie werden antiautoritär erzogen“, erklärte er einer Kundin. Und fügte hinzu: „Was soll man machen?“ Er vermutlich gar nichts. Die drei waren das andere Extrem – ein Trio, bei dem man sich heimlich wünschte, dass das Dorf liebevoll eingreifen möge.

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