„Das ist reine Schikane!“

Toilettensitz zu hoch, Präquali weg

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Berlin -

Apotheker Christian Sickau ist fassungslos: Weil der Toilettensitz der Behindertentoilette einige Zentimeter zu hoch ist, wurde ihm die Präqualifizierung zur Belieferung von Hilfsmitteln entzogen. Um wieder mit der Versorgung starten zu dürfen, muss ein neuer Toilettensitz her.

Eine Geschichte, die so oder so ähnlich nur in Apotheken stattfinden kann – und dennoch fast unglaublich ist. Eigentlich wollte Sickau nur seine Präqualifizierung verlängern, denn in der Johannes-Apotheke in Gröbenzell stellen Hilfsmittel einen wichtigen Stellenwert dar: Neben den klassischen Milchpumpen und Stützstrümpfen beliefert die Apotheke im Palliativ-Bereich monatlich einige hundert Patient:innen mit verschiedensten Hilfsmitteln aller Art.

Ein paar Zentimeter zu hoch

Grade deshalb staunte Sickau nicht schlecht, als ihm die Präqualifizierung entzogen wurde: „Nun haben wir tatsächlich unsere Qualifizierung erstmal verloren weil – halten Sie sich fest – der Toilettensitz unserer wie vorgeschrieben natürlich vorhandenen Behindertentoilette um einige Zentimeter zu hoch ist!“, berichtet er fassungslos. „Am Rande sei erwähnt, dass die Toilette natürlich noch nie in Anspruch genommen wurde.“ Denn die meisten der Patient:innen würden sowieso Zuhause beliefert, weil sie bettlägerig sind.

In den vergangenen Jahren stellte der Toilettensitz nie ein Problem dar. Sickau hatte ihn damals nach den geltenden Regelungen angeschafft. „Die Vorgaben scheinen sich jedoch geändert zu haben“, meint der Apotheker. So richtig erklären konnte man ihm den Sachverhalt jedoch nicht. „Die Sachbearbeiterin war sehr harsch. Es hieß nur, dass sich Vorgaben nun mal ändern können.“

Um seine Kund:innen weiter wie gewohnt mit Hilfsmitteln beliefern zu können, musste also schließlich ein neuer Toilettensitz her. Zwar sei der Sitz nicht teuer gewesen – dennoch sei es „einfach sinnlos investiertes Geld“ und „reine Schikane“, so der Apotheker. Schließlich seien die Kund:innen auf die Versorgung angewiesen.

Belieferung müsste eigentlich gestoppt werden

Hinzu kommt ein weiteres Problem: „Leider arbeitet die Präqualifizierungsstelle sehr langsam und Ansprechpartner sind seit Monaten nicht erreichbar“, berichtet Sickau. Daher weist die Apotheke trotz rechtzeitiger Einreichung – bereits einige Monate vor Ablauf der alten Präqualifizierung – nun eine Lücke auf, in der alle Hilfsmittelrezepte retaxiert werden. „Eigentlich dürften wir nichts mehr abgeben“, meint Sickau. „Machen wir natürlich trotzdem, um weiter zu versorgen, aber eben auf unsere Kosten.“

Mittlerweile ist das Prozedere durch und die Präqualifizierung wieder erteilt. „Zum Glück ging die Wiedereinreichung dann doch relativ schnell – wir konnten aber nicht einfach aufhören zu versorgen.“ Sickau hofft nun darauf, möglichst glimpflich aus den Retaxierungen herauszukommen. Außerdem bleibt abzuwarten, ob sich die Vorgaben nicht im kommenden Jahr wieder ändern.

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