Saarbrücken

Streik: Apotheken fürchten verärgerte Kunden

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Berlin -

In Saarbrücken laufen die Vorbereitungen auf den morgigen Streik – soweit es eben das Tagesgeschäft zulässt. Plakate sind aufgehängt und Stehtische für die Information der Kundinnen und Kunden vorbereitet. In den Apotheken wird bereits heute auf die morgige Schließung ab 12 Uhr hingewiesen. Doch nicht alle Kolleg:innen erwarten Verständnis.

In Saarbrücken herrscht unter den Apotheken ein großer Zusammenhalt, was das Thema Streik betrifft. „Soweit ich weiß, macht die ganze Innenstadt mit“, sagt Apothekerin Gabriele Sandner. „Das hat mich auch gewundert“, fügt die Inhaberin der Pluspunkt Apotheke in der Europa-Galerie hinzu. Sie freut sich über die gemeinsame Aktion. „Wir wollen das zusammen durchziehen.“

Apotheken-Streik ist ungewöhnlich

Ein Streik bei Apotheken sei „absolut ungewöhnlich, weil sich die Kunden eigentlich darauf verlassen, dass sie jederzeit zu uns kommen können“. Es bereite einem auch Bauchschmerzen, dass man sie nicht versorgen werde. „Aber der Streik ist gerechtfertigt“, betont sie. Gemeinsam mit einem Teil des Teams wird sie sich vor der Apotheke positionieren, um über den Auslöser des Streiks – das geplante Spargesetz mit der Anhebung des Kassenabschlags – und weitere Gründe für die Krise in der Offizin informieren.

In der nicht weit entfernt liegenden Neuen Apotheke steht Inhaberin Karin Bender ebenfalls hinter der Protestaktion. Die Plakate seien aufgehängt. „Wir informieren die Kunden jetzt, warum wir morgen streiken.“ Am Mittwoch werde der Betrieb dann abgeschlossen und davor sei keine Informationskampagne geplant. „Ich befürchte, wenn ich mich vor die Tür stelle, könnte das zu Streitgesprächen führen“, sagt die Apothekerin. Das führe nur „zu bösem Blut“.

Irgendwann hat man uns weggespart.

Dennoch steht sie hinter dem Streik. „Es ist eine gute Sache, dass wir zeigen, dass wir mit der momentanen Situation und den Plänen nicht einverstanden sind. Es ist in den vergangenen Jahren viel passiert – nicht zu unseren Gunsten. Allein durch die vielen Lieferengpässe haben wir viel mehr Arbeit bekommen.“ Sie kritisiert, dass die Apotheken mit ihrem „Versorgungsauftrag immer an der Nase durch den Ring“ geführt würden. „Irgendwann hat man uns weggespart.“

Dass sich andere Bundesländer nicht am Streik beteiligten, sei „typisch“ für die Apothekerschaft. „Apotheker sind wie sie sind. Sie wehren sich nicht, wir schlucken alles, das war schon im Studium so“, sagt Bender, die seit 40 Jahren selbstständig ist. „Ich habe viel erlebt und irgendwann muss man sagen, jetzt reicht es.“

Rede und Antwort stehen

Auch in der Viktoria Apotheke laufen die Streik-Vorbereitungen. Die leitende Apothekerin Lena Kelly und ihr Team werden morgen ab 12 Uhr schließen und selbst vor Ort sein. „Wir versuchen, Rede und Antwort zu stehen“, sagt sie. Bei der Arbeitsniederlegung gehe es hauptsächlich um die Information der Öffentlichkeit. „Die meisten Kunden haben eine veraltete Vorstellung, dass in der Apotheke alles super ist. Wir hoffen, dass die Kunden den Streik einigermaßen gut aufnehmen, aber wir kennen das schon und haben uns nicht darauf eingestellt.“

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