Nach 36-Stunden-Dienst

„Stöpsel für Irrigator war der Gipfel“

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Berlin -

Dr. Sabine Mickeler hatte kürzlich einen 36-Stunden-Dienst in ihrer Löwen-Apotheke in Neuhausen zu bewältigen; inklusive Notdienst. Eigentlich liebt sie ihren Beruf, aber nach dem x-ten Nasenspray, einer Bepanthen Salbe und schließlich auch noch einem Stöpsel für einen Reiseirrigator wurde auch sie etwas ungehalten. „Ich wünsche mir Notdienste, die uns Apothekern einen Schlaf von sechs Stunden garantieren“, so Mickeler. „Wenn ich nachts um drei Uhr für ein Nasenspray aufstehen muss, dann ist das für mich ein unnötiger Bagatellfall.“

In ihrem vergangenen Notdienst hatte Mickeler gleich mehrere Fälle, die in ihren Augen nicht unbedingt in einen Bereitschaftsdienst der Apotheke gehören: „Mir ist schon bewusst, dass auch ein Nasenspray in der Nacht als durchaus notwendig angesehen werden kann. Aber meist sind es junge Leute, die aus dem Club kommen und dann denken, sie kaufen nachts um drei Uhr mal eben noch ein Nasenspray in der Apotheke, weil sie es als Suchtmittel benötigen“, so die Inhaberin. „Ich muss dann für solche Fälle aber extra aufstehen. Nach dem x-ten Nasenspray kann man da schon etwas ungehalten werden.“

In dieser Nacht haben sich zudem mehrere Fälle addiert: „Nach Bepanthen-Salbe war ein fehlender Stöpsel für einen Reiseirrigator eigentlich der Gipfel. Ich habe aber im Endeffekt auch diesen Menschen helfen können, das verloren gegangene Teil zu ersetzen“, so die Inhaberin. „Wir haben diesen Beruf schließlich gewählt, um zu helfen, ich mache das auch gern, aber nicht 36 Stunden lang ohne erholsamen Schlaf.“

Dabei habe Mickeler aber durchaus auch andere Fälle: „Wenn eine Patientin nachts mit Gürtelrose aus der Klinik kommt, man alles parat hat, um sie zu versorgen, dann freue ich mich natürlich. Dafür sind wir ja da“, so die Apothekerin. Und trotzdem: „Wenn ich die heutigen Zeiten mit den damaligen vergleiche, dann fällt mir auf, dass es solche Notdienste früher nicht gegeben hätte. Da kamen dann echte Notfälle und nicht dauernd nur Nasensprayabhängige.“

Deswegen wäre in ihren Augen ein Notdienst bis maximal 24 Uhr ausreichend: „Man sehnt sich einfach nach einem sechsstündigen Schlaf, der nicht von einem Nasenspraywunsch unterbrochen wird“, so Mickeler. „In den wenigen Stunden, wo die Apotheke vor Ort geschlossen ist, könnte beispielsweise auch die Klinik mal eine Notration an Medikamenten mitgeben.“

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