Frauenärzte kritisieren Apotheken-Beratung | APOTHEKE ADHOC
Pille danach

Frauenärzte kritisieren Apotheken-Beratung

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Berlin -

Frauenärzte haben den Apothekern vorgeworfen, Frauen über die Wirkung der Pille danach nicht ausreichend aufzuklären. Zwar würden durch die Rezeptfreiheit mehr Präparate zur Notfallverhütung nach ungeschütztem Sex verkauft. Aber der Anteil, der wirkungslos bleibe, sei nach der Statistik höher als vorher, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), Christian Albring. „Ganz offensichtlich werden wesentliche Beratungsinhalte in der Apotheke nicht mit der notwendigen Dringlichkeit vermittelt.“

Mädchen und Frauen bekommen seit einem Jahr die Pille danach nicht mehr nur auf Rezept und nach einem Beratungsgespräch durch einen Arzt, sondern können sie rezeptfrei direkt in Apotheken kaufen. Die Beratung sollen die Apotheker übernehmen, so der Wunsch des Bundesgesundheitsministeriums.

Die Bundesapothekerkammer hatte bereits Mitte Februar erklärt, dass die Nachfrage nach der Neuregelung logischerweise gestiegen sei. Aber: „Die Apotheker beraten intensiv. Und wir haben bisher keinerlei Sicherheitsprobleme feststellen können.“

Das Statistische Bundesamt hatte nun vor kurzem berichtet, dass im vergangenen Jahr rund 99.200 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet worden seien, 0,5 Prozent weniger als in Jahr zuvor. Damit setze sich ein jahrelanger Trend fort: Seit 2004 gehe die Zahl kontinuierlich zurück.

Der Frauenärzteverband interpretiert diese Entwicklung anders. Der jahrelange Rückgang der Abtreibungen setze sich im ersten Quartal 2015 noch fort und höre dann auf. Im zweiten bis vierten Quartal gebe es im Vergleich zum Vorjahr wieder mehr Schwangerschaftsabbrüche. „Der einzige zeitliche Zusammenhang, den wir hier sehen, ist die Tatsache, dass beide Arzneimittel zur Notfallverhütung seit Mitte März rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind“, sagte Albring.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml will die Vorwürfe der Frauenärzte ernst nehmen und kündigte für Bayern Gespräche mit den Apothekern an. Die Ministerin erklärte: „Die Pille danach ist keine harmlose Halsschmerztablette, sondern ein starkes Medikament. Mit dem Wegfall der Verschreibungspflicht haben die Apotheker eine große Verantwortung übernommen: die Frauen in Ihrer schwierigen Situation umfassend zu beraten. Ich appelliere an die Apotheker, dieser Verantwortung auch nachzukommen. Das Bayerische Gesundheitsministerium wird die Sorgen der Frauenärzte ernstnehmen – und das Gespräch mit den Apothekern in Bayern suchen. Klar ist: Zum Schutz der Patientinnen ist eine umfassende und sorgfältige Beratung durch die Apotheker notwendig, das gilt vor allem für Minderjährige.“

Die Ministerin unterstrich: „Ich kann nur vor einem sorglosen Umgang mit der Pille danach warnen. Sie darf nicht als alternatives Verhütungsmittel eingesetzt werden. Denn sie ist ein stark wirksames Arzneimittel, das gravierend in den Hormonhaushalt der Frauen eingreift. Deshalb ist vor der Einnahme der Pille danach trotz der Rezeptfreiheit eine ärztliche Untersuchung und Beratung sinnvoll. Denn: Die Pille danach kann starke Nebenwirkungen haben. Das geht über Übelkeit und Blutungen bis hin zu Zyklusstörungen."

Die Notfall-Kontrazeptiva hatten im August mit mehr als 62.000 Packungen einen Absatz-Rekord erreicht. Im September ging die Zahl dagegen wieder auf 55.800 zurück, um bis Ende des Jahres wieder auf etwas mehr als 61.000 zu steigen. Im Februar 2015, dem Monat vor der Rezeptfreiheit, hatte der Absatz noch bei etwas mehr als 38.000 Einheiten gelegen

EllaOne (Ulipristal) von HRA war als erstes Präparat im März am Start und konnte seine Umsätze entsprechend steigern. Da es aber teurer ist als Präparate mit Levonorgestrel (LNG)und dieser Wirkstoff zudem schon länger im Markt ist, konnten auch diese Produkte in der Folge zulegen. Präparate mit Levonorgestrel sind PiDaNa (HRA), Postinor (Gedeon Richter) und Unofem (Hexal).

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