Zwenkau

Pharmamann baut Ärztehaus mit Apotheke

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Berlin -

Aus der Pharma- in die Baubranche: Frank Schmidt baut in seiner sächsischen Heimat an einem 6,2 Millionen Euro teuren Ärztehaus mit betreuten Wohneinheiten für Senioren. Auch die Laurentius-Apotheke findet im Gesundheitszentrum Zwenkau eine neue Heimat.

Schmidt stammt aus Leipzig. Der gelernte Pharmakaufmann hat großen Verbesserungsbedarf im Gesundheitswesen seiner alten Heimat ausgemacht. So fänden sich die noch zu DDR-Zeiten gegründeten Polikliniken, die mehrere Arztpraxen unter einem Dach vereinen, schon längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit. „Sie sind nicht mehr gesetzeskonform, das Praxismanagement entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen, die Räume sind nicht behindertengerecht, es fehlt an Aufzügen“, hat Schmidt beobachtet. „Deshalb haben die Ärzte, die aufhören wollen, auch Schwierigkeiten, Nachfolger zu finden.“

Schmidt entwickelte das Konzept eines neuen, zukunftsfähigen Gesundheitszentrums und holte sich als Bauträger die Leipziger Firma Wincon Immobilien ins Boot. Die 9000-Einwohner-Kleinstadt Zwenkau südlich von Leipzig bot sich für ein Pilotprojekt geradezu an. „In der Innenstadt gab es einst einen großen Gasthof. Als er abgerissen wurde, entstand eine etwa 3000 Quadratmeter große Brachfläche.“

Genug Platz, um nicht nur sieben Arztpraxen und einem Physiotherapeuten eine Heimat zu geben, sondern auch einem Sanitätshaus und einer Apotheke. Zusätzlich sollten 25 altersgerechte und barrierefreie Wohneinheiten entstehen. Die hier lebenden Senioren können auf Wunsch rund um die Uhr betreut werden. Auch ein Gesellschafts- und ein Klubraum sowie eine große Dachterrasse mit Café sollen hier entstehen.

Die ersten Gespräche zur Realisierung des Gesundheitszentrums Zwenkau (GZZ) liefen bereits 2015. „Wir mussten den Bürgermeister, die Stadt, den Rat und die Eigentümer der Poliklinik überzeugen“, berichtet Schmidt. Schnell hatte er Politik und Verwaltung auf seiner Seite. Sehr angetan hätten sich Entscheidungsträger und Bürger auch vom geplanten Erscheinungsbild gezeigt. „In Zwenkau steht das Haus Rabe, das älteste, im Bauhaus-Stil errichtete Gebäude. Es gibt noch einige andere Bauhaus-Projekte in der Stadt, daran haben wir uns orientiert.“

Nach einer Apotheke brauchte der Projektmanager nicht lange zu suchen. „Es hätte keinen Sinn ergeben, eine neue zu eröffnen und damit den beiden bereits existierenden Konkurrenz zu machen.“ Die nächstgelegene ist die Laurentius-Apotheke, sie liegt nur 100 Meter vom Standort des GZZ entfernt. „Ich hätte nicht zusehen wollen, wie sie pleite geht.“ In Absprache auch mit dem Bürgermeister holte er die Inhaberin Ann-Karen Tennhardt mit ins Boot.

„Herr Schmidt stellte mir sein Projekt Anfang 2016 vor“, sagt Tennhardt. Sie ist seit ihrer Approbation im Dezember 1999 in der Laurentius-Apotheke, seit dem Februar 2006 gehört sie ihr. „Neue Räumlichkeiten haben immer einen Vorteil gegenüber Altbauten“, sagt sie. „Wir werden mehr Platz in der Offizin haben und Einrichtung und Ausstattung modernisieren.“ Ihre Schwerpunkte Homöpathie, Naturheilmittel und Aromatherapie werde sie auch im GZZ behalten.

Die Ärzte aus der Poliklinik zu überzeugen, sei ein härteres Stück Arbeit gewesen, so Schmidt. „Sie sind hier sehr bodenständig, es war schwer, sie für die Idee zu sensibilisieren, sich von ihren Praxisräumen zu verabschieden.“ In langen Gesprächen habe man ihnen die Vorteile nahe gebracht, die ein Zusammensein mit möglichen neuen Patienten und der angegliederten Apotheke mit sich bringen. Im Dezember 2016 erfolgte der Spatenstich.

Bevor Schmidt zum Bauherrn des GZZ wurde, konnte er bereits auf eine abwechslungsreiche Karriere zurückblicken. „Ich habe den Beruf des Klavierbauers erlernt und bin 1965 nach dem Bau der Mauer in den Westen geflüchtet, nach Hamburg, weil da die Firma Steinway ihren Sitz hat.“ Später sattelte er zum Pharmakaufmann um. „Seit 1970 bin ich in diesem Bereich tätig, zunächst beim Großhändler F. Reichelt AG, der heute zu Phoenix gehört, dann ab 1973 bei A. Baur Pharma. Da war ich im Vertrieb für den norddeutschen Raum und für Berlin zuständig.“

Die Firma ging eine wegweisende Kooperation mit Klaus Fischer von der Post-Apotheke in Stuttgart-Zuffenhausen ein. „Er schrieb eine Software speziell für Apotheken und kann damit als Vater der Datenverarbeitung gelten. Der Großhandel übernahm den Vertrieb von damit bestückten Computern.“ Doch die Zeit schien noch nicht reif: „Die Firma ging 1980 pleite, und auch ich hatte damit keinen Arbeitsplatz mehr.“

Fischer zog sich resigniert in seine Apotheke zurück. Schmidt jedoch gab nicht klein bei: „Ich gründete die Firma Fischer Software, weil ich davon überzeugt war, dass die Datenverarbeitung in den Apotheken eine Zukunft hat.“ Zwischen Flensburg und Konstanz, Aachen und Wolfsburg habe er nach EDV-affinen Apothekern gesucht. Mit Erfolg: „Zwischen 1980 und 1984 habe ich über 500 Computer verkauft, damals waren wir der Marktführer in diesem Segment.“ Im Jahr 1986 ging er eine Partnerschaft mit Franz Lauer von der Firma Pharma Daig und Lauer KG ein. „So konnte ich die Hard- und Software in die Lauer-Produktpalette einbringen. Dank des starken Partners sind wir kräftig gewachsen.“

Der Fall der Mauer 1989 eröffnete unverhofft einen neuen Absatzmarkt. „Im Dezember reiste ich von Hamburg nach Leipzig und nahm dort Kontakt mit dem Bezirksapotheker Dr. Horst Görlt auf.“ Görlt hatte die Oberaufsicht über alle staatlichen Apotheken des Bezirks, private gab es so gut wie gar nicht. „Ich konnte ihn davon überzeugen, dass es nicht sinnvoll ist, die Robotron-Computer aus DDR-Produktion zu nutzen. Der Auftrag wurde storniert, stattdessen wurden fast alle Apotheken im Bezirk mit Lauer-Computern bestückt.“

Ein Jahr später übernahm die Firma Pharma Daig und Lauer die Fischer Software. Eine Weile noch war Schmidt im Vertrieb der Unternehmenssoftware für Sachsen und Sachsen-Anhalt zuständig. Sein Büro hatte er in der ehemaligen Bezirksapotheke, der Löwen-Apotheke, aufgeschlagen. „Die Räume wurden bald viel zu eng. Wir fanden eine Immobilie in Seehausen, einem nördlichen Vorort von Leipzig.“ Noch weitere Grundstücke in der Nachbarschaft fanden sich. Es entstand die Idee, neben der Firmenniederlassung auch noch einen Wohnpark mit angeschlossenem Golfplatz anzulegen, um den Wert des Geländes zu steigern.

Ein Bein behielt er auch nach seinem Ausscheiden bei Pharma Daig und Lauer (heute Lauer-Fischer) im Markt: Noch immer hat er einen Beratervertrag mit dem Rechenzentrum NARZ. „Dabei nutze ich meine Kontakte in die Apothekerschaft, um neue Kunden zu gewinnen.“ Doch sein Schwerpunkt liege mittlerweile in der Baubranche.

Das GZZ ist sein erstes Bauprojekt mit einem Gesundheitsschwerpunkt. Die Arbeiten liegen im Zeitplan. Vor Kurzem wurde Richtfest gefeiert. Alle Wohneinheiten sind längst vergeben, eine Warteliste wurde bereits angelegt. Nur noch zwei Gewerbeflächen sind frei. Geht alles weiterhin so glatt, wird im Mai 2018 Einweihung gefeiert. Bis dahin werden 6,2 Millionen Euro verbaut sein.

Parallel dazu sind Schmidt und Wincon Immobilien bereits vollauf mit dem nächsten Großprojekt beschäftigt. Im November wird mit einem Spatenstich der Bau des Kastanienhofs eingeleitet. In Leipzig-Seehausen sollen 60 betreute Seniorenwohnungen entstehen. Auch eine Arztpraxis und ein Pflegedienst finden sich dann hier. „Eine Apotheke haben wir hier nicht eingeplant, aber ganz in der Nähe ist die Apotheke im Sachsenpark“, so Schmidt. Sieben Millionen Euro sind hier veranschlagt. Die Eröffnung soll Mitte 2019 gefeiert werden.

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