Bestellkürzung vor Preiserhöhung

„Nur realistische Mengen“: Hexal verärgert Apotheker Nadine Tröbitscher, 27.02.2019 15:37 Uhr

Berlin - Zweimal im Monat die gleiche Prozedur – am 1. und 15. des Monats gibt es eine Preisänderung. Weil die Daten bereits einige Tage zuvor in die Taxe eingespielt werden, haben Apotheker im Falle einer Preiserhöhung noch einmal die Chance, sich zu den alten Konditionen zu bevorraten. Soweit die Theorie, Hexal verfolgt eine andere Politik. „Hamsterkäufe“ sind in Holzkirchen nicht gern gesehen und daher nicht möglich.

Zum 1. März zieht Hexal bei zahlreichen OTC-Arzneimitteln die Preise an – teilweise drastisch. Betroffen sind unter anderem Ambrohexal Hustenlöser (Ambroxol) als Saft und Tabletten, das Antifungol-Portfolio (Clotrimazol), Pantederm N (Zinkoxid), die Schmerzmittel ASS + C, Paracetamol 500 und Diclac Schmerzgel (Diclofenac), sowie die pflanzlichen Präparate Felis 425 mg (Johanniskraut), Biofem (Mönchspfeffer) und Solvohexal. Auf der Liste sind aber auch OTC-Präparate der Marke Sandoz zu finden – beispielsweise Calcium mit und ohne Vitamin D, Ginkgo, Thrombareduct, Zink und Vitamin D.

Auch der Blockbuster ACC akut (Acetylcystein) soll im Einkauf teurer werden. Der Klassiker unter den Hustenlösern wird abhängig vom Präparat zwischen 9 und 12,5 Prozent mehr kosten. „Damit reagieren wir auf allgemeine Kostensteigerungen“, begründet eine Sprecherin die Entscheidung. Antifungol Lösung zu 20 ml wird etwa 18 Prozent teurer. Bei Solvohexal kommen etwa 10 Prozent dazu. Thrombareduct führt die Liste mit etwa 40 Prozent an.

Wer sich jetzt in den letzen verbliebenen Tagen vor der Preiserhöhung noch mit Direktware bevorraten will, wird bitter enttäuscht. In dem kurzen Zeitraum bis zum 1. März sind nur „realistische Mengen für einmalige kurzfristige Bestellungen“ möglich. So sollen eine gleichmäßige Verfügbarkeit gewährleistet und Lieferunfähigkeiten vermieden werden, begründet die Sprecherin die kurzzeitige „Kontingentierung“. Was „realistische Mengen“ sind, ließ sie offen. Für viele Apotheker ist das Vorgehen ein Unding, zahlreiche Kollegen machen ihrem Ärger offen Luft. Der einstige Partner vieler Pharmazeuten riskiert, seinen festen Platz in der Empfehlung zu verlieren.

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