„Ärzte geben ja auch Ärztemuster ab“

Nach Leserbrief: Apotheker kontert Ärztekritik

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Berlin -

Der Impfstart gegen Covid-19 in Apotheken wird von manchen Ärzt:innen kritisch bewertet. Als Argumente wird dabei oft ein möglicher Notfall genannt. Auch Apotheker Dr. Fadi Hussein spürt den Druck seitens der Ärzteschaft, versteht die teils ablehnende Haltung nicht. Denn immerhin folge man mit dem neuen Angebot dem politischen Willen. „Wir fühlen uns sehr gut gewappnet.“

Der Apotheker führt gemeinsam mit seinen beiden Schwestern seit 2008 die Apotheke im Kurzentrum Hussein in Bad Harzburg. Ab kommender Woche bietet er auch Covid-19-Impfungen an. „Eine Impfgruppe haben wir zusammen“, sagt er. Insgesamt werde ein Vial Comirnaty verimpft. „Wir fangen erst einmal klein an und bewerben es nicht intensiv.“

Kritik der Ärzteschaft „unverständlich“

Die Apotheke liegt in einem Ärztehaus und Hussein versorgt 13 Allgemeinmediziner:innen mit Covid-19-Impfstoff. Dass er und sein Team auch selbst impfen werden, hat er nicht gesondert kommuniziert. „Ich bin nicht zu den Ärzten hin, das habe ich bei den Grippeimpfungen auch nicht gemacht“, sagt er. Die Kritik der Ärzteschaft sei „unverständlich“, sagt er. Ein Arzt aus Bad Harzburg wendete sich an die Lokalpresse und schickte einen Leserbrief, der gestern zum Start der offiziellen Impfpremiere mit der Überschrift „Inakzeptabel, dass Apotheker impfen“ veröffentlicht wurde.

Dr. Steffen Schmerer aus Bad Harzburg schreibt darin, dass Ärzte eine Ausbildung über zwölf Semester absolvieren. „Selbst die medizinischen Fachangestellten müssen eine dreijährige Ausbildung absolvieren und dürfen nur impfen, wenn ein Arzt in der Nähe ist.“ Er verweist auf mögliche Notfälle und Komplikationen: „Nicht jeder Notfall kann mit einer Adrenalin-Spritze behoben werden. Das wäre sehr einfach und schön für alle Beteiligten.“ Ärzte müssten Notfallausbildungen absolvieren, im Rettungsdienst mitarbeiten und einen Teil der Ausbildung auf der Intensivstation durchführen, da sie sonst überhaupt nicht praktizieren dürften.

Zudem stellt er in den Raum: Wenn Apotheker beispielsweise zu weiteren medizinischen Maßnahmen und Untersuchungen in Folge einer Impfkomplikation beraten würden, müsse im Umkehrschluss darüber nachgedacht werden, „ob wir Ärzte in Zukunft Medikamente in unseren Praxen vorhalten und per Rezept an die Patienten weitergeben dürfen, damit diese nicht den ‚Umweg‘ über eine Apotheke machen müssen.“ Generell würden Apotheke in der Kampagne nicht benötigt: „Die Angebote sind ausreichend – es mangelte immer am Impfstoff, nicht an der Kapazität.“

Apotheken-Impfung als politischer Wille

Hussein zufolge leisten die Apotheken einen Beitrag in der Pandemiebekämpfung. „Die Beschwerde richtet sich gegen die Falschen, da es der politische Wille ist, dass Apotheken mitmachen.“ Zudem seien die Impf-Apotheker:innen gut für Notfälle gewappnet. Der Verweis auf das Dispensierrecht sei darüber hinaus nicht schlüssig. „Ärzte geben ja auch Ärztemuster ab, da könnten wir auch sagen, das läuft doch über die Apotheken wunderbar.“

Wichtig sei, dass jeder weiterhin seiner Hauptaufgabe nachgehen werde. Auch in anderen Berufen gebe es Überschneidungen. Hussein betont, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit zwischen den Heilberuflern sei. „Wie oft müssen wir uns an die Ärzte wenden, weil wir Nachfragen zur Verordnung haben. Wir sind alle Teil eines Systems.“

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