Patientin ohne Tabletten

Krebsmedikament: Apotheke verzweifelt an Hersteller

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Berlin -

Heute hätte eine Kundin der Linden-Apotheke in Lensahn bei Kiel ihr Krebsmedikament Odomzo (Sonidegib) gebraucht. Doch obwohl sie das Medikament bereits in der vergangenen Woche bestellt hat, konnte Inhaberin Katharina Geßner es nicht rechtzeitig beschaffen. Sie verzweifelt am Hersteller Sun Pharmaceuticals.

Am Freitag hatte die Patientin ihr Rezept in der Apotheke eingelöst, doch beim Großhandel waren die Hartkapseln nicht lieferbar. Auf Nachfrage hieß es, das Medikament sei kontingentiert. Man bekomme zwölf Packungen im Monat, habe aber seit einem halben Jahr überhaupt keinen Nachschub mehr erhalten.

Also rief Geßner beim Hersteller in Leverkusen an. Man habe Ware da und könne innerhalb von 24 Stunden über Trans-o-flex ausliefern. Man müsse die Apotheke nur erst als Neukunden anlegen. Das sei aber kein Problem: Wenn sie die Unterlagen sofort zurückschicke, könne man die Bestellung noch heute aufnehmen. Nur mit der Auslieferung werde es voraussichtlich erst am Montag klappen. Man habe nämlich eine Systemumstellung.

Geßner war zufrieden, denn bei einer Lieferung über Nacht würde die Patientin ihr Medikament noch rechtzeitig erhalten. Wie gefordert schickte sie sämtliche angeforderten Unterlagen, einschließlich Stammdatenblatt und Apothekenbetriebserlaubnis.

Doch als sie am Dienstagabend immer noch keine Versandinformation erhalten hatte, wurde sie unruhig. Am Mittwochmorgen rief sie beim Kundenservice an, wieder hatte sie denselben Ansprechpartner dran. Man werde den Auftrag noch heute bearbeiten, wurde ihr zugesichert.

Heute Morgen griff die Apothekerin bangen Herzens erneut zum Telefonhörer. Denn am gestrigen Abend hatte die Patientin die letzte noch vorhandene Kapsel eingenommen; sie stand nun ohne das dringend benötigte Medikament da. Geßner fiel aus allen Wolken: Die Daten seien wegen der Systemumstellung noch nicht einmal erfasst, habe es nunmehr geheißen. Eine Bestellung sei schon gleich gar nicht zu finden.

Verzweifelt telefonierte die Apothekerin nun den Großhandel ab, ob vielleicht doch noch Kontingentware aufgetaucht sei. Doch es konnte ihr niemand helfen. Schweren Herzens und schlechten Gewissens musste sie die Kundin vertrösten, die nun ihre Behandlung unterbrechen muss. Dabei geht es um eine alternativlose Krebstherapie: Odomzo wird eingesetzt zur Behandlung von lokal fortgeschrittenem Basalzellkarzinom (BCC) bei Patientinnen und Patienten, die für eine kurative Operation oder eine Strahlentherapie nicht in Frage kommen.

Wütend schickte sie einen Brief an die Geschäftsleitung des Herstellers: „Als Apotheke stehen wir gegenüber unseren Patienten in der Verantwortung, eine zuverlässige Arzneimittelversorgung sicherzustellen. Diese Verantwortung können wir jedoch nur erfüllen, wenn unsere Lieferanten ihrer Verantwortung ebenso gerecht werden.“

Handeln nicht mit Bonbons

Und dann noch deutlicher: „Wir handeln hier nicht mit Bonbons. Es geht um ein dringend benötigtes Krebsmedikament, auf dessen rechtzeitige Verfügbarkeit ein Patient angewiesen ist.“

Eine Systemumstellung sei ein internes Organisationsproblem des Unternehmens. „Sie darf nicht zulasten der Patientenversorgung gehen. Noch weniger akzeptabel ist es, wenn konkrete Versandzusagen gemacht werden, die anschließend ohne jede proaktive Information nicht eingehalten werden.“

„Wer als pharmazeutisches Unternehmen einen exklusiven Vertriebsweg vorgibt, übernimmt damit auch eine besondere Verantwortung für dessen Funktionsfähigkeit. Dieser Verantwortung werden Sie im vorliegenden Fall in keiner Weise gerecht. Die Versorgung eines Krebspatienten darf weder an einer Systemumstellung noch an offenkundig unzureichenden organisatorischen Abläufen eines Arzneimittelherstellers scheitern.“

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