Öffnungszeiten reduziert

In einem Jahr: Apothekerin verliert sechs Angestellte

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Berlin -

Die Personalsuche ist eine der großen Herausforderungen der Apotheken. Für Dr. Maike Gruno-Richter ist sie ein leidiges Thema. Die Inhaberin der Adler-Apotheke in Senftenberg verlor im vergangenen Jahr sechs Angestellte. Die Mehrheit sei wegen gesundheitlicher Probleme gegangen, sagt sie. Ab April fehlen zwei weitere Mitarbeiterinnen. Jetzt kürzte die Chefin die Öffnungszeiten.

„Im Februar ging es los“, sagt Gruno-Richter. Zwei Mitarbeiterinnen hätten gekündigt. Danach mussten die verbliebenen Angestellten noch mehr Arbeiten in Offizin und Rezeptur übernehmen. Dazu kamen Krankheitsausfälle und weitere Angestellten kündigten. Sie wollten der Apotheke wegen psychischer Probleme den Rücken kehren, wie die Inhaberin sagt. „Ich denke, das ist nicht nur die Arbeit, dass man psychisch angefasst ist, sondern auch die Zeit. Die Kriege, die gestiegenen Energie- und Lebensmittelkosten belasten einen.“

Stress und Überforderung

Doch auch die Stimmung in der Apotheke habe sich verändert. „Es ist stressig geworden.“ Gründe seien das E-Rezept, unzufriedene Kund:innen und sehr viel Mehrarbeit. Da sei man schnell überfordert. Dazu kämen die im Verhältnis zu niedrigen Gehälter. „Das ist nicht das, was man sich wünscht, ich würde gern mehr zahlen, wenn ich könnte.“

Apotheke kürzt Öffnungszeiten

Zur Überbrückung stellte Gruno-Richter fachfremdes Personal ein. „Sie sollten die Ware bearbeiten.“ Derzeit sind für die 57-Jährige acht pharmazeutische Angestellte tätig, davon mehrere auf Teilzeitbasis. Im April verabschieden sich zwei werdende Mütter in die Elternzeit. Weil das Personal knapp ist, kürzte sie jetzt die Öffnungszeiten um eine halbe Stunde pro Tag. Jetzt schließt die Apotheke um 18 Uhr unter der Woche und auch am Wochenende ist früher Schluss.

Aktuell sucht Gruno-Richter eine Apothekerin und eine PTA. Sie bietet unter anderem Weihnachtsgeld und Erholungsbeihilfen, außertarifliche Zulagen und Boni, familienfreundliche Arbeitszeiten und 3- bis 4-Tage-Wochen sowie einen Kita-Zuschuss für Eltern. Das Personalthema zehrt an ihr. „Irgendwann hat man die Nase voll“, sagt sie. 2005 übernahm sie den Traditionsbetrieb von ihrem Vater. Heute geht sie manchmal an ihre Grenzen. „Die Apotheke bereitet einem schon Bauchschmerzen und man überlegt, will man sich das überhaupt antun.“

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