Wirtschaftliche Lage

Hoffen und Bangen: Apotheken-BWA im Corona-Strudel Lothar Klein, 28.05.2020 14:40 Uhr

Berlin - Der Corona-Lockdown wird langsam zurückgefahren, das öffentliche Leben kommt nach und nach wieder in Gang. Aber wie geht es den Apotheken in der Übergangszeit zum normalen Leben? Steuerberater berichten von einem heterogenen Bild: Nach dem kurzen Boom Mitte März ist die Delle im April noch nicht ausgeglichen. Der erste Monat im zweiten Quartal sei vergleichsweise schwach verlaufen, heißt es. Überraschend ist, dass auch Apotheken in Ärztehäusern noch nicht wieder auf Normalniveau laufen. Allerdings: Im ersten Quartal legten die Erlöse nach ersten Zahlen erwartungsgemäß um über 10 Prozent zu.

Laut Steuerberater Torsten Feiertag aus Berlin berichten beispielsweise Kinderärzte über anhaltenden Patientenschwund: Kitas und Schulen sind nach wie vor nur teilweise geöffnet. Damit sinken das Ansteckungsrisiko und der Krankenstand. Kinderärzte hätten bereits ihre Öffnungszeiten reduziert und Kurzarbeit angemeldet. Das bedeutet weniger Rezepte. Nicht viel anders sieht die Lage bei den Erwachsenen aus. Der gestiegene Anteil von Homeoffice senkt ebenfalls die Krankheitsrate und in Praxen und Ärztehäusern die Patientenzahl. Dazu kommt, dass viele Menschen aus Angst vor einer Ansteckung den Gang zum Arzt scheuen. „Von einer Erholung kann also noch keine Rede sein“, so Feiertag, der Apotheken in Berlin und Brandenburg als Steuerberater betreut.

Die wirtschaftliche Lage von Apotheken in der Corona-Krise ist so unübersichtlich, dass die Treuhand Hannover aktuell gar keine Zahlen veröffentlichen will – auch nicht zum 1. Quartal. In den ersten drei Monaten hätten die Erlöse zwar zugenommen, aber auf der Kostenseite gibt es laut Treuhand zu viel Unklarheit. Die Umstellung auf Schichtbetrieb hat die Personalkosten durcheinandergewirbelt: 40 Stunden-Mitarbeiter arbeiten teils weniger, Teilzeitkräfte leisten Mehrarbeit. Und auch bei der Bewilligung von Kurzarbeitergeld gibt es offenbar Probleme: Einige Arbeitsämter lehnen die Zahlung ab. Daher lassen sich die tatsächlichen Personalkosten für das erste Quartal nur schwer berechnen.

Klar ist allerdings, dass die Apotheken vor allem im März vom Corona-Boom profitiert haben. Die Erlöse sind deutlich gestiegen. Steuerberater Feiertag hat eine Auswertung seiner Kunden vorgenommen. Danach stiegen die Erlöse für Apotheken mit bis zu 2,6 Millionen Euro Jahresumsatz im ersten Quartal um satte 20 Prozent von 440.000 Euro auf 530.000 Euro. Ebenfalls um 20 Prozent stiegen die Erlöse bei Apotheken über 2,6 Millionen Euro Jahresumsatz – von 872.000 Euro auf 1,05 Millionen Euro.

Der Rohertrag betrug in den beiden Apothekenkategorien 21,77 beziehungsweise 21,62 Prozent oder 115.381 Euro beziehungsweise 227.226 Euro. Nach Abzug aller Kosten verbliebt den kleineren Apotheken im ersten Quartal ein Ertrag von 6,58 Prozent oder 34.900 Euro. Im Jahr zuvor waren es knapp 30.000 Euro. Bei den größeren Apotheken legte der Ertrag noch deutlicher zu: von 61.400 auf 74.500 Euro – ein Plus von mehr als 10 Prozent.

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Coronavirus

Phase-IIb/III-Studie schreitet voran

Abivax behandelt ersten Patienten mit ABX464»

Virus im Herzgewebe nachgewiesen

Sars-CoV-2 befällt auch das Herz»

Kaum Antikörper vorhanden

Sars-CoV-2: Wo bleibt die Herdenimmunität?»
Markt

Natürlich und biologisch

Nuxe launcht Bio-Serie»

Anti-Age-Pflege

Falten ade dank 3D-Technologie»

Bundesverwaltungsgericht

Kein Rx-Bonus in deutschen Apotheken – noch nicht»
Politik

Einigung zu Botendienstpauschale

250 Euro: Ab September wird ausgezahlt»

Registrierkassengesetz

TSE-Module: Länder erlassen Fristverlängerung»

500.000 Tests in einer Woche

Spahn: Ausweitung von Corona-Tests zeigt Wirkung»
Internationales

Walgreens Boots Alliance

Wegen Corona: Pessina streicht 4000 Stellen»

Österreich

Wirkstoffverordnung: Hersteller gegen Gesundheitsminister»

Gesundheitsausschuss stimmt für Festpreise

Schweiz: Apotheker sollen nur noch das Billigste abgeben»
Pharmazie

THC-Extrakt wird DAB-konform

Tilray stellt auf MCT um»

Rückruf

Braun: Auffälliger Geruch bei NaCl»

Therapieabbrüche

Antiepileptika: Bessere Compliance unter neuen Wirkstoffen?»
Panorama

Skurriles Gewinnspiel

Inko-Albtraum auf der Fußball-Grillparty»

Heilmittelwerberecht

PKV darf nicht für Tele-Ärzte werben»

Timo coacht

Digitalisierung: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen»
Apothekenpraxis

ApoRetrO – Der satirische Wochenrückblick

Diskriminierungsverbot: Apotheken dürfen nicht mehr beraten»

Sauerland

Nachfolgerin gesucht: Apotheke lieber verschenken als ausräumen»

Apothekenplattformen

Phoenix/Pro AvO: Noweda entspannt, Hartmann elektrisiert»
PTA Live

Zwei Betroffene erzählen ihre Geschichte

PTA und chronisch krank»

Mehreinwaage nicht vergessen

Ringversuch: Hydrocortison-Kapseln»

PTA gibt QMS-Seminare

QMS soll „schaffbar“ sein»
Erkältungs-Tipps

Immunsystem stärken, Hygiene beachten

Fünf Tipps zur Erkältungsvorbeugung»

Verbreitung von Krankheitserregern

Tipps zur Vermeidung von Schmier- und Tröpfcheninfektionen»

Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung

Infekte in der warmen Jahreszeit»
Magen-Darm & Co.

Pflanzlich oder Probiotisch

Fresh-Up: Reizdarmsyndrom»

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Colitis ulcerosa: Wenn der Dickdarm erkrankt»

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: Schubweises Leiden»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Bildergalerie

Schwangerschaftsmythen: Fakt oder Falsch?»

Bluthochdruck, Diabetes & Co.

Chronische Erkrankungen in der Schwangerschaft»

Engmaschige Vorsorgemöglichkeiten

Risikoschwangerschaft: Von Fruchtwasseruntersuchung und iGeL»
Medizinisches Cannabis

Interview mit Michael Becker

Cannabis-Prüftipps vom Pharmazierat»

Teil 2: Belieferung & Dokumentation

How to: Cannabisrezept»

Cannabispreisverordnung

Tilray: „Auch wir haben auf die Änderungen reagiert“»
HAUTsache gesund und schön

Isotretinoin, MTX & Co.

Hautpflege bei bestimmter Medikation»

Neue Kosmetikkonzepte

Hygiene in die Pflegeroutine integrieren»

Sommerzeit = Sonnenbrandzeit

Sonnenschutz: Mindestens LSF 30»