Wirtschaftliche Lage

Hoffen und Bangen: Apotheken-BWA im Corona-Strudel

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Berlin -

Der Corona-Lockdown wird langsam zurückgefahren, das öffentliche Leben kommt nach und nach wieder in Gang. Aber wie geht es den Apotheken in der Übergangszeit zum normalen Leben? Steuerberater berichten von einem heterogenen Bild: Nach dem kurzen Boom Mitte März ist die Delle im April noch nicht ausgeglichen. Der erste Monat im zweiten Quartal sei vergleichsweise schwach verlaufen, heißt es. Überraschend ist, dass auch Apotheken in Ärztehäusern noch nicht wieder auf Normalniveau laufen. Allerdings: Im ersten Quartal legten die Erlöse nach ersten Zahlen erwartungsgemäß um über 10 Prozent zu.

Laut Steuerberater Torsten Feiertag aus Berlin berichten beispielsweise Kinderärzte über anhaltenden Patientenschwund: Kitas und Schulen sind nach wie vor nur teilweise geöffnet. Damit sinken das Ansteckungsrisiko und der Krankenstand. Kinderärzte hätten bereits ihre Öffnungszeiten reduziert und Kurzarbeit angemeldet. Das bedeutet weniger Rezepte. Nicht viel anders sieht die Lage bei den Erwachsenen aus. Der gestiegene Anteil von Homeoffice senkt ebenfalls die Krankheitsrate und in Praxen und Ärztehäusern die Patientenzahl. Dazu kommt, dass viele Menschen aus Angst vor einer Ansteckung den Gang zum Arzt scheuen. „Von einer Erholung kann also noch keine Rede sein“, so Feiertag, der Apotheken in Berlin und Brandenburg als Steuerberater betreut.

Die wirtschaftliche Lage von Apotheken in der Corona-Krise ist so unübersichtlich, dass die Treuhand Hannover aktuell gar keine Zahlen veröffentlichen will – auch nicht zum 1. Quartal. In den ersten drei Monaten hätten die Erlöse zwar zugenommen, aber auf der Kostenseite gibt es laut Treuhand zu viel Unklarheit. Die Umstellung auf Schichtbetrieb hat die Personalkosten durcheinandergewirbelt: 40 Stunden-Mitarbeiter arbeiten teils weniger, Teilzeitkräfte leisten Mehrarbeit. Und auch bei der Bewilligung von Kurzarbeitergeld gibt es offenbar Probleme: Einige Arbeitsämter lehnen die Zahlung ab. Daher lassen sich die tatsächlichen Personalkosten für das erste Quartal nur schwer berechnen.

Klar ist allerdings, dass die Apotheken vor allem im März vom Corona-Boom profitiert haben. Die Erlöse sind deutlich gestiegen. Steuerberater Feiertag hat eine Auswertung seiner Kunden vorgenommen. Danach stiegen die Erlöse für Apotheken mit bis zu 2,6 Millionen Euro Jahresumsatz im ersten Quartal um satte 20 Prozent von 440.000 Euro auf 530.000 Euro. Ebenfalls um 20 Prozent stiegen die Erlöse bei Apotheken über 2,6 Millionen Euro Jahresumsatz – von 872.000 Euro auf 1,05 Millionen Euro.

Der Rohertrag betrug in den beiden Apothekenkategorien 21,77 beziehungsweise 21,62 Prozent oder 115.381 Euro beziehungsweise 227.226 Euro. Nach Abzug aller Kosten verbliebt den kleineren Apotheken im ersten Quartal ein Ertrag von 6,58 Prozent oder 34.900 Euro. Im Jahr zuvor waren es knapp 30.000 Euro. Bei den größeren Apotheken legte der Ertrag noch deutlicher zu: von 61.400 auf 74.500 Euro – ein Plus von mehr als 10 Prozent.

 

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