„Paracetamol-Importe waren doch völlig undenkbar“

Erst Exoten, jetzt Schnelldreher: Mehr Einzelimporte durch Lieferengpässe

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Berlin -

Die Lieferengpässe haben sich in den vergangenen Monaten deutlich verschärft, die Apotheken müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Patient:innen versorgen zu können. Deutlich öfter werde daher auch die Möglichkeit eines Einzelimportes genutzt, berichtet Sabine Fuchsberger-Peukert, Apothekerin und Geschäftsführerin vom Importeur Internationale Ludwigs-Arzneimittel (Ilapo).

„Wir machen seit vielen Jahren Werbung dafür, bei Lieferengpässen an Einzelimporte zu denken“, so Fuchsberger-Paukert. Ilapo ist ein Pharmagroßhandel mit Sitz in München und auf Einzelimporte spezialisiert. Seit November mache sich die Situation auf dem deutschen Arzneimittelmarkt auch bei Ilapo in einem höheren Bestellaufkommen bemerkbar, „es werden etwa 30 bis 60 Prozent mehr Packungen als zuvor importiert“, so die Geschäftsführerin.

Das, was Apotheken zur Versorgung ihrer Patient:innen leisten würden, sei „allererste Sahne“, so Paukert. Ihr sei bewusst, mit wie viel Aufwand die Versorgung über Einzelimporte verbunden sei. Denn auch bei Präparaten mit besonders hoher Nachfrage wie Fiebersäften müssen der Import und die damit verbundene Bürokratie für jede Packung einzeln erfolgen und erfüllt werden. „Trotzdem ist es mein Wunsch, dass Kolleg:innen die Option der Importe für die Patient:innen in Betracht ziehen.“

Erst Exoten, jetzt Schnelldreher

„Letztes Jahr im März haben wir die bisher schlimmsten Erfahrungen gemacht, mit Tamoxifen“, berichtet Fuchsberger-Paukert, „das Patientenpotenzial war damals aber viel geringer“. Eigentlich würden eher „exotischere“ Präparate importiert, nun fehlen aber Schmerzmittel und Antibiotika, vor zwei Jahren wäre das für die Apothekerin noch undenkbar gewesen: „Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich jetzt Paracetamol importiere, hätte ich dem einen Vogel gezeigt!“

Auch Ilapo sieht sich zuweilen mit Lieferverzögerungen konfrontiert, das habe allerdings schon mit der Pandemie begonnen, zum Beispiel bei Importen aus den USA: Diese würden über Passagierflugzeuge befördert, wenn die Warentransporte bereits ausgebucht seien – während der Pandemie flogen allerdings kaum noch Passagiermaschinen, der Transportweg war dadurch deutlich eingeschränkt. „Jetzt bestehen die Lieferengpässe auch in anderen Ländern. Wenn man ein Arzneimittel anfragt, muss dort häufig auch erstmal nach der Verfügbarkeit, Verteilung und Beschaffungsmöglichkeiten geschaut werden.“ Dadurch entstehen laut Fuchsberger-Paukert weitere Verzögerungen.

Ausfälle durch lange Produktionszyklen

Abgesehen von der Auslagerung der Produktion ist auch die Ausweitung der Produktionszyklen ein Problem: Anstelle einer jährlichen Produktion würden einige Präparate zum Beispiel nur noch alle drei Jahre hergestellt werden – ist dann eine Charge unbrauchbar, lassen sich die Ausfälle schlechter kompensieren, es kommt zu weiteren Verzögerungen in der Lieferkette.

„Die Politik hat zwar durch eine Vereinbarung mit einem Hersteller den Import von 90.000 Packungen Fiebersäften organisiert.“ Bei 18.000 Apotheken entspricht das allerdings nicht einmal dem Wochen- oder sogar Tagesbedarf. Jüngst hatten die Ersatzkassen angekündigt, angesichts der Lieferengpässe vorerst bis Ende Juni weiterhin auf eine Vorabgenehmigung der Einzelimporte zu verzichten. Fuchsberger-Paukert begrüßt die Erleichterungen. „Ich wünsche mir aber insgesamt breitere und schnellere Hilfestellungen für die Apotheken.“

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