Karrieren

Erst Bäckerei, dann Kieferchirurg, dann Apotheke

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Berlin -

Im Leben geht nicht immer alles geradeaus, der Weg zum Ziel kann manchmal über viele Nebenstraßen einen Umweg nehmen. Marijana Budimir ist das beste Beispiel, wie man durch learning by doing den passenden Job findet.

Budimir ist heute Mutter von zwei Kindern und arbeitet glücklich im Backoffice der Schildhorn-Apotheke in Berlin Steglitz, in dem Bezirk, in dem sie auch aufgewachsen ist. Sie ist wieder zu Hause – angekommen. Angefangen hat alles am Geburtstag ihrer Schwester, die als PTA arbeitet. Budimir kam ins Gespräch mit den Kollegen und äußerte ihre Unzufriedenheit mit der Arbeit in der Praxis eines Kieferchirurgen.

In der Apotheke war Not am Mann und man gab der Quereinsteigerin eine Chance. Die Arbeit macht ihr Spaß. Die Arbeitszeiten passen gut für die alleinerziehende Mutter. Die 30 Stunden sind auf zwei lange und zwei kurze Dienste verteilt. „Ich arbeite einmal in der Woche bis 20 Uhr und selbst da wurde ich gefragt. Im Verkauf war das nicht so“, sagt Budimir. Unterstützung bekommt die junge Mutter von ihrer Familie, die in der Nachbarschaft wohnt.

Ihr Aufgabengebiet in der Apotheke wächst, angefangen hat sie mit üblichen PKA-Arbeiten wie Warenwirtschaft. Heute betreut sie Kosmetikmarken und Kontingentartikel, sie führt das Kassenbuch und ist Problemlöser. „Wenn ein Artikel nicht lieferbar ist, klemme ich mich dahinter und versuche alles, um irgendwoher die Ware doch noch zu bekommen.“ In vielen Fällen ist sie erfolgreich, aber manchmal ist es ihr aufgrund der vielen Defektlisten nicht möglich.

Budimir schätzt das Team und fühlt sich wohl. Sie ist in der Apotheke im Vergleich zu allen anderen Arbeitsstellen am glücklichsten und kann sich vorstellen, hier alt zu werden. Dieses Gefühl kannte sie früher nicht, ein Leben lang Verkauf oder Kieferchirurgie konnte sie sich nicht vorstellen.

Gelernt hat die gebürtige Berlinerin in Düsseldorf Kosmetikerin, aber in dem Beruf hatte sie nie so richtig Fuß gefasst. So orientierte sich Budimir um und fing in einer Bäckerei als Verkäuferin an. Die wissbegierige Frau stieg sogar zur Filialleiterin auf.

Budimir bekam dann zwei Kinder und zog zurück nach Berlin, über eine Freundin bekam sie eine Stelle im Verkauf. Sie fühlte sich im Team wohl, aber die Arbeitszeiten waren für eine alleinerziehende Mutter nicht zu stemmen. So wechselte sie zu einem Kieferchirurgen. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine einzige Bewerbung geschrieben, durch Gespräche mit Bekannten und Freunden gab es immer einen fliegenden Wechsel.“

In der Praxis betreute sie anfangs die Rezeption und vergab Termine, dann wechselte sie zur Behandlung. Budimir erlernte das Durchführen der Prophylaxe-Behandlung, machte Abdrücke, lernte das Ausgießen für Zahnspangen und bereitete Zähne für das Anbringen fester Zahnspangen vor. Ein halbes Jahr arbeitete sie in der Praxis, am Ende war sie allein und mit der Arbeit an der Rezeption und der Behandlung überfordert. Auch das Arbeitsklima stimmte nicht mehr. Zum Glück veränderte sich alles durch den Geburtstag der kleinen Schwester. „Glück in der Liebe hatte ich noch nicht so richtig, aber man muss viele Frösche küssen um den richtigen zu finden und viel ausprobieren um den richtigen Job zu finden.“

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