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812 Euro zu viel: MSD „vergisst“ Preissenkung

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Berlin -

Es kommt immer mal wieder vor, dass hochpreisige Arzneimittel nicht beim Großhändler verfügbar sind und die Apotheke direkt beim Hersteller bestellen muss. Das bedeutet nicht nur mehr Aufwand, sondern ist aufgrund kurzer Zahlungsfristen oft auch wirtschaftlich uninteressant. Richtig teuer wird es für die Apotheke, wenn der Hersteller wie in diesem Fall MSD Sharp & Dohme seine eigene Preisanpassung vergessen hat.

Eine Apotheke in Hessen musste das Lungenhochdruckmittel Adempas (Riociguat) gegen pulmonale Hypertonie direkt beim Hersteller MSD Sharp & Dome bestellen. Das Präparat wird eingesetzt bei chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH) und bestimmten Formen der pulmonal arteriellen Hypertonie (PAH).

Der Apotheker bestellte unlängst die N3 Packung mit 294 Tabletten. Die Bestellbestätigung von MSD weist einen Nettoeinkaufspreis (EK) von 7775,60 Euro aus – Adempas zählt zu den besonders hochpreisigen Arzneimitteln.

So teuer wie von MSD veranschlagt ist das Präparat aber eigentlich nicht mehr: Zum Jahreswechsel sank der EK auf „nur noch“ 6963,20 Euro. In der EDV ist dieser Preis auch hinterlegt. Der Apotheker fragte beim Hersteller nach, wofür dieser zusätzlich 812,40 Euro veranschlage. „Im Kundencenter hieß es, sie hätten vergessen die Preisänderung einzutragen“, erinnert sich der Apotheker.

Natürlich habe er die Bestellung storniert, berichtet der Apotheker. MSD habe bei dieser Gelegenheit nachgefragt, ob er gleich zum neuen Preis bestellen wolle. Aber der Apotheker wollte diesmal auf Nummer sicher gehen und lieber noch zwei Tage warten, damit die Änderung auch sicher vollzogen ist. Mit seiner Bestellung hatte es keine Eile.

Das tückische an den unterschiedlichen Preisen ist dem Apotheker zufolge, dass der Fehler im Apothekenalltag nicht unbedingt auffallen muss. Da der Preis normalerweise direkt aus der Software übernommen und aufgedruckt wird, muss die Rechnung des Herstellers am HV-Tisch noch vorliegen oder der Preis bei der Abgabe zumindest noch präsent sein – ansonsten bemerkt es der Inhaber zu spät. „Ich wage zu behaupten, dass das dem ein oder anderen Kollegen durchgeht. Der merkt es erst später, wenn das Geld beim Rohertrag fehlt“, so der Apotheker.

Ein Sprecher des Herstellers bestätigte den Fehler mittlerweile: „Wir hatten einen falschen Preis im System.“ Da es sich bei Adempas um ein Orphan Drug handelt, seien allerdings nur wenige Bestellungen eingegangen. „Die betroffenen Apotheken haben sofort eine Gutschrift erhalten“, so der MSD-Sprecher.

Ademas wurde am 15. Januar 2015 in die Lauer-Taxe aufgenommen. Im August desselben Jahres wurde der EK erstmals von 10.807,72 auf 8576,75 Euro gesenkt. Im November 2016 fiel der Preis dann auf 7775,60 Euro, bevor er schon im Januar 2017 erneut auf den jetzt aktuellen Preis gesenkt wurde. Anfamg 2016 hatte MSD das Präparat von Bayer übernommen.

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