Immer mehr Apotheken schließen am Samstag. In Aschaffenburg änderte die Bavaria-Apotheke die Öffnungszeiten. Inhaber Thomas Mucha stellt auf eine Fünf-Tage-Woche um, der Grund: zu viel Belastung und Personalmangel. Er kritisiert, dass permanent ein Apotheker vor Ort sein müsse.
Um Aschaffenburg herum haben immer mehr Apotheken nicht mehr am Wochenende geöffnet. Ganz neu dabei ist Mucha.
Der 48-Jährige nennt dafür verschiedene Gründe: „Ich bin allein, ich habe keinen, der mir etwas abnehmen kann“, sagt er. Es sei schwer, an Fachkräfte zu kommen.
Die Apotheke führt er seit 2003, lange habe sein Vater mit ausgeholfen, aber diese Zeiten seien vorbei.
Sein Team besteht aktuell aus zwei PTA, drei Helferinnen und einer Pharmazeutin aus dem Iran, die er auf dem Weg zur deutschen Approbation begleitet.
Die Apotheke befindet sich am Rand von Aschaffenburg im Stadtteil Obernau. Die Lage sei dörflich. Von der Frequenz her sei es mit Blick auf die Personalkosten nicht wirtschaftlich, am Samstag permanent einen Approbierten zu beschäftigen.
Manche Samstage seien gut besucht, etwa wenn ein Feiertag anstehe. An anderen Wochenenden sei wenig los. „Es ist unterschiedlich. Aber wenn ich wenn ich einen angestellten Apotheker beschäftige, kann ich es gleich lassen.“
Der Apothekerbranche fehle es an Planungssicherheit. Die Rahmenbedingungen – wie die Vergütung – müssten sich verbessern. „Meinen Kindern werde ich nicht empfehlen, eine Apotheke zu führen.“
Mucha kritisiert auch die stetig steigende Notdienstbelastung, die ausufernde Bürokratie sowie den Personalmangel an sich. „Die unflexible Gesetzgebung, die die permanente Anwesenheit eines Apothekers fordert, zwingen mich zu diesem Schritt“, macht er in einer Zeitungsanzeige auf den Missstand aufmerksam. Eine approbierte Unterstützung sei nicht in Sicht. Der Inhaber spricht sich „prinzipiell“ in Notfällen und für kurze Zeit für eine Vertretungsmöglichkeit durch PTA aus, allerdings nicht über Tage oder gar Wochen. Es sei jedoch eine schwierige Entscheidung: „Ich bin mir durchaus über die Gefahr eines Dammbruches bewusst.“ Deshalb sei er selbst vorsichtig mit seiner Forderung.
Die Präsenzpflicht einer Approbierten oder eines Approbierten ist auch Thema der Apothekenreform. Während sich die Länder gegen eine „Apotheke ohne Apotheker“ aussprechen, unterstützt der Bund die befristete Vertretungsmöglichkeit durch PTA. Die Bayerische Landesapothekerkammer (BLAK) dagegen plädiert dafür, keine Vertretungsmöglichkeit für PTA zuzulassen.
Die Entscheidung, die Öffnungszeiten einzukürzen, ist Mucha nicht leichtgefallen: „Ich habe lange überlegt“, sagt er. Auf die Idee sei er durch einen bekannten Inhaber gekommen. Denn auch Dr. Antonio Ferraro von der Turm Apotheke in Großwallstadt hat am Wochenende geschlossen. „Ich habe mir das bei ihm abgeschaut.“ Auch die ebenfalls rund zehn Kilometer entfernte Römer-Apotheke-Niedernberg hat am Samstag geschlossen. Die Apothekenkundschaft habe mehrheitlich Verständnis für die Entscheidung.
Auch in anderen Regionen schließen immer mehr Apotheken am Samstag. Die übrig gebliebenen Betriebe bewerten das dadurch anfallende Kundenplus nicht nur positiv. Denn angesichts der vielerorts engen Personalsituation gibt es Schwierigkeiten, die gestiegene Nachfrage zu bedienen.
Aschaffenburg liegt nahe Frankfurt am Main. Die Versorgung ist offenbar weiterhin gesichert. Denn sonst würde die BLAK die Befreiung vom Samstagsdienst nicht genehmigen. Die Befreiung von den Pflicht- beziehungsweise Mindestöffnungszeiten muss genehmigt werden. Denn eigentlich müssen Apotheken von 9 bis 12 Uhr geöffnet haben. Maximal dürfen sie von 6 von 20 Uhr geöffnet haben. Eine Voraussetzung für die Befreiung ist laut Kammer, dass die Arzneimittelversorgung in der zu befreienden Zeit durch eine andere Apotheke im näheren Umkreis sichergestellt ist.