„Apotheken kassieren, ohne einen Finger krumm zu machen“

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Berlin - Wer in den vergangenen Wochen und Monaten in einer Apotheke gestanden hat, der weiß, was sie leisten. Die Pandemie hat die Arbeit nicht einfacher gemacht und für einen erheblichen Mehraufwand gesorgt – doch das wird in der Öffentlichkeit leider nicht gesehen. Doch damit nicht genug: Oft werden die Apotheken als die Gewinner der Pandemie gesehen – die sich durch Masken, Tests und digitale Impfausweise eine goldene Nase verdienen. So sieht es auch eine Ärztin aus Reutlingen, die in einem Leserbrief ordentlich über die Apotheken herzieht.

„Das macht mich wirklich wütend und traurig“ – so lautet der Titel des Leserbriefs von Dr. Angelika Heyer aus Reutlingen. Ihr Kommentar im Reutlinger General Anzeiger dürfte vielen Apotheker:innen sauer aufstoßen. Denn mit dem derzeitigen Alltag in den Apotheken hat ihre Darstellung nur wenig zu tun. „Jetzt reicht‘s – die Vergütung und überhaupt die in den Apotheken stattfindende Digitalisierung der Impfungen schlagen dem bereits seit einiger Zeit übergelaufenen Fass den Boden aus“, leitet Heyer ihren Wutbrief ein.

„Während wir Hausärztinnen und Hausärzte weiterhin bis an unser Limit impfen und die Apotheken schon hierbei für jede Impfung sechs Euro kassieren, ohne einen Finger krumm zu machen, schleicht sich der Apothekerverband an uns vorbei und dealt mit dem Bund eine Vergütung von 18 Euro für die Digitalisierung der von uns geimpften Patienten aus“, lautet ihr Resümee. Und das nur, weil Ärzt:innen bislang noch keine funktionierende Software bereitgestellt bekommen hätten.

Sie ärgert sich über die niedrigere Vergütung von nur sechs Euro – die schon bald auch den Apotheken droht. „Begründet wird das Ganze dadurch, dass der Mehraufwand der Prüfung (die gar nicht stattfindet – wie auch?) der Impfbücher bei den Apotheken liegen würde. Wie kann der Bund wieder mal eine so maximal falsche, ungerechte und nicht wertschätzende Vergütung veranlassen?“

Doch sie wettert weiter: Für das maximal zeitaufwändige Impfen inklusive deren Planung hätten die Hausärzte grade mal 20 Euro bekommen. „In der Zeit verdienten die Apotheken kräftig an Masken, Impfstoff und anderem Zubehör und jetzt nach der ganzen Zeit fallen uns die Apotheken in den Rücken, schnappen sich die von uns geimpften Patienten, anstelle sie darauf hinzuweisen, dass sie die Digitalisierung auch ab Juli beim Hausarzt machen können.“ Dafür würden sie nochmals 18 Euro „kassieren“ – für einen Zeitaufwand von zwei Minuten. Die Hausärzt:innen würden „wieder mal dumm aus der Wäsche schauen.“

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