Wann darf ich das verordnete Arzneimittel liefern?

, Uhr

Berlin - Seit Montag sorgt der neue Rahmenvertrag in der Offizin für Verunsicherung und Diskussionen. Konnte vor dem 1. Juli noch auf eines der drei preisgünstigen Präparate oder das verordnete Arzneimittel ausgetauscht werden, ist dies nun nicht mehr möglich. Da stellt sich bei den Kollegen die Frage: „Wann darf ich das rezeptierte Präparat eigentlich noch abgeben?“

Wie zuvor steht der Rabattvertrag der Kasse über allem. Das rabattierte Arzneimittel ist gemäß der Abgaberangfolge zu liefern. Kann beispielsweise aufgrund eines Lieferengpasses nicht rabattvertragskonform beliefert werden, besteht die Möglichkeit, bei einer Verordnung im generischen Markt auf eines der vier preisgünstigsten Arzneimittel auszuweichen. Jedoch darf dieses nicht teurer sein als das verordnete, denn dieses gilt als Preisanker. Liegt lediglich eine Wirkstoffverordnung vor, gibt es den Preisanker nicht. Sind auch diese Möglichkeiten aufgrund von Defekten ausgeschöpft, darf die Apotheke das nächstpreisgünstige verfügbare Arzneimittel abgeben.

Wird der Preisanker überschritten, muss mit dem Arzt Rücksprache gehalten und dies auf der Verordnung dokumentiert werden. Ebenso sind die Sonder-PZN und der Faktor „Nichtverfügbarkeit Rabattarzneimittel und vier preisgünstigsten Arzneimittel“ aufzudrucken und ein entsprechender Vermerk zu dokumentieren. Immerhin ist nicht zwingend ein neues Rezept oder eine Gegenzeichnung des Arztes einzuholen. Außerdem sollte die Apotheke je zwei Defektbelege vom Großhandel pro nicht verfügbarem Arzneimittel (alle Rabattarzneimittel und die vier preisgünstigsten) archivieren.

Wie aber ist zu verfahren, wenn kein Rabattvertrag vorliegt? Kann dann das verordnete Arzneimittel abgegeben werden? Die Antwort liefert § 12 Rahmenvertrag „Abgabe preisgünstiger Fertigarzneimittel nach § 9 Absatz 2 (Generischer Markt ohne Rabattvertrag)“. Ist kein Rabattarzneimittel vorrangig zu liefern, ist eines der vier preisgünstigsten Arzneimittel abzugeben. Beim Preisvergleich müssen alle gesetzlichen Rabatte berücksichtigt werden. Somit kann das verordnete Präparat nur geliefert werden, wenn es zu den vier preisgünstigsten Fertigarzneimitteln zählt.

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres