34 Defektbelege und keine Sonder-PZN

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Berlin -

Wenn nur das Original lieferbar ist: Liegt eine Verordnung im importrelevanten Markt vor, kann nur zwischen Import und Original gewählt werden. Liegt kein Rabattvertrag vor und ist kein preisgünstiger Import lieferbar, hat die Apotheke reichlich Mehrarbeit und auf verschiedene Dinge zu achten. Das Problem offenbart sich am Beispiel Forair 12 µg N2.

Im Fall Forair ist aktuell nur das Original von Chiesi lieferbar. Preisgünstige Importe gibt es nicht. Verordnet ist zu Lasten der Kasse Atimos von Emra. Somit ist der Preisanker auf 52,09 Euro festgelegt. Möglich wäre außerdem die Abgabe von Atimos von ACA Müller, Eurim oder Kohl sowie Forair von Eurim und Kohl. Allesamt sind ebenfalls zu 52,09 Euro gelistet und nicht lieferbar.

Die Apotheke darf nun höherwertig versorgen und zwar Schritt für Schritt. Elf Möglichkeiten später ist man beim Original angekommen. Schließlich kann dieses abgegeben werden, allerdings nicht ohne den Arzt darüber zu informieren und dessen Zustimmung einzuholen. Außerdem sind für 17 nicht verfügbare Importe Defektbelege zu dokumentieren – und zwar von zwei verschiedenen Großhändlern beziehungsweise zu zwei verschiedenen Zeitpunkten, wenn nur ein Großhandel die Apotheke beliefert.

Soweit so schlecht. Beim Rezeptdruck zeigt sich das nächste Problem. Im Falle der Nichtverfügbarkeit fehlt der passende Faktor. Zulässig ist das Sonderkennzeichen in Kombination mit Faktor 3: „Die vier preisgünstigsten Arzneimittel beziehungsweise die preisgünstigsten Importarzneimittel (2 Prozent Einsparziel) sind nicht verfügbar.“ Liegt ein Rabattvertrag vor, gilt Faktor 4: „Rabattarzneimittel und die vier preisgünstigsten Arzneimittel beziehungsweise die preisgünstigsten Importarzneimittel (2 Prozent Einsparziel) sind nicht verfügbar.“ Allerdings gibt es im Falle von Forair weder einen Rabattvertrag noch einen preisgünstigen Reimport, da kein Importarzneimittel 15 Prozent günstiger ist als das Original.

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