H1-Antihistaminika

Aerius: Schmelztabletten außer Vertrieb Alexandra Negt, 29.10.2019 09:23 Uhr

Berlin - Die Produktion der Aerius-Schmelztabletten wurde eingestellt. MSD Sharp & Dohme teilt auf Nachfrage mit, dass es sich um eine globale Entscheidung handelt. Ein Sprecher betont, dass es keine Produktunsicherheiten oder andere Qualitätsbedenken gegeben habe und dass der Entschluss keinen Einfluss auf die Filmtabletten habe. Diese seien weiterhin erhältlich.

Seit 2007 vertrieb MSD das verschreibungspflichtige Antihistaminikum auch als Schmelztablette. Das enthaltene Desloratadin sollte aufgrund der Formulierung schneller wirken. Vorteile sah der Hersteller auch für Kinder, da der Geschmack leicht fruchtig sei. Die Schmelztablette mit 2,5 mg Desloratadin war für die Behandlung der allergischen Rhinitis und der Urtikaria bei Kindern ab sechs Jahren zugelassen. Nun hat MSD die Produktion eingestellt, somit werden auch die Reimporte nach und nach außer Handel gehen. Ein Alternativprodukt ist nicht am Markt. Betroffene müssen auf Saft oder Filmtabletten ausweichen. Letztere könnten demnächst rezeptfrei werden; Hexal hat vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) ein entsprechendes Urteil erwirkt.

Schmelztabletten werden ohne Flüssigkeit eingenommen und müssen nicht geschluckt werden, daher ist diese Darreichungsform für Menschen mit Schluckbeschwerden gut geeignet. Im Vergleich zu normalen Tabletten tritt die Wirkung etwas schneller ein, da der Arzneistoff durch den zügigen Zerfall entsprechend schneller freigesetzt wird. Der Arzneistoff einer Schmelztablette ist nicht zur parenteralen Resorption über die Mundschleimhaut vorgesehen. Eine gewisse Menge an Wirkstoff wird zwar über die Mundschleimhaut aufgenommen, grundsätzlich erfolgt die Resorption jedoch enteral. Eine parenterale Resorption über die Mundschleimhaut erfolgt bei sogenannten Sublingual-Tabletten.

Desloratadin ist der pharmazeutisch aktive Metabolit von Loratadin. Desloratadin weist im Vergleich zu Loratadin eine um 27 Stunden längere Plasmahalbwertszeit auf. Der Wirkstoff verdrängt als kompetitiver Antagonist Histamin von den H1-Rezeptoren, so dass diese nicht mehr aktiviert werden können. Desloratadin verhindert auch die Mastzelldegranulation, woraus eine verminderte Freisetzung von Histamin folgt. Symptome wie Hautrötungen, Schwellungen, Juckreiz und Bronchospasmen werden gemindert. Der Wirkstoff gehört zur 2. Generation der H1-Rezeptor-Antagonisten und hat im Gegensatz zu älteren Antihistaminika geringen Einfluss auf das zentrale Nervensystem, sodass eine sedierende Wirkung meist ausbleibt.

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