Rabattverträge

Wechsel der AOK-Rabattpartner

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Berlin -

Viele AOK-Versicherte müssen sich ab Samstag wieder an ein neues Präparat gewöhnen – und die Apotheker müssen ihre Lager umstellen: Zum 1. Oktober treten neue Rabattverträge der Kasse in Kraft. Es handelt sich um die nunmehr 17. Tranche über 55 Wirkstoffe. In der Mehrzahl der Fälle gibt es einen neuen Rabattpartner, teilweise sogar mit regionalen Unterschieden. Spannend sind die Verschiebungen auch aus Herstellersicht: So ist Dexcel zurück bei Metformin und Stada ersetzt Ratiopharm bei Metoprolol.

Es gab eine Zeit, da war Dexcel bei Metformin klarer Marktführer in Deutschland: Der Hersteller hatte einen Exklusivvertrag bei der AOK und war mit seinem Antidiabetikum bei weiteren großen Kassen Rabattpartner. Womöglich waren es zu viele Verträge: Im Frühjahr 2012 kündigte die AOK den Vertrag mit Dexcel vorzeitig – über das tatsächliche Ausmaß der Lieferengpässe wurde vor Gericht gestritten. Neuer Rabattpartner ab 2013 war Winthrop.

Weil die AOK aber auch bei anderen Wirkstoffen Probleme mit ihren Exklusivverträgen hatte und damit viel Geld verlor, stellte die Kasse ab Juni 2013 um: Für Ausfälle besonders sensible Wirkstoffe werden seitdem im Mehrpartnermodell ausgeschrieben. Dazu zählen etwa Amlodipin, Losartan, Omeprazol und eben auch Metformin. In der nächsten Rabattrunde ab Oktober 2014 erhielten die Hexal-Tochter 1A Pharma, Axcount und die Bietergemeinschaft Winthrop/Sanofi einen Zuschlag für das Antidiabetikum.

Diese Verträge laufen am Freitag aus. Während Axcount und Sanofi – jetzt mit Zentiva statt Winthrop – ihr Los verteidigen konnten, muss 1A Pharma seinen Vertrag abgeben. Ein Comeback feiert nach mehr als vier Jahren Abstinenz Dexcel. Mit Vergebung seitens der AOK hat das natürlich nichts zu tun. Die Kasse vergibt den Zuschlag schlicht und ergreifend an das billigste Angebot. Während also bei Metformin nicht alle Versicherten umgestellt werden müssen, ist das bei der Mehrzahl der neu vergebenen Wirkstoffe der Fall.

So bleibt bei nicht einmal jedem dritten der 55 neu vergebenen Wirkstoffe alles beim Alten. Ihre Lose verteidigen konnten unter anderem TAD bei Valsartan HCT und Glenmark behält Nebivolol. Die Bietergemeinschaft Teva/Ratiopharm bleibt zwar bei Atorvastatin dabei, künftig liefert aber Ratiopharm statt AbZ. Im Mehrpartnervertrag zu Metoprolol bleiben nur Aliud und Hexal dabei, Stada muss seinen Platz an Teva/Ratiopharm abtreten.

Bei insgesamt 25 Losen wechselt der Vertragspartner komplett, bei vier weiteren in einigen Gebietslosen. Denn die AOK muss das Bundesgebiet aus vergaberechtlichen Gründen in acht Regionen aufteilen und getrennt Zuschläge erteilen. In der Praxis verursacht das hauptsächlich administrativen Aufwand, denn die Hersteller bieten regelmäßig überall gleich, so dass de facto doch bundesweite Verträge geschlossen werden.

Das ist nicht aber immer der Fall: So hat Dr. Pfleger seinen Rabattvertrag zu Triamteren HCT verteidigt – außer in Baden-Württemberg. Im Ländle liefert ab Oktober Aliud exklusiv. Und TAD muss seinen Candesartan-Vertrag künftig mit Heumann teilen, denn bei der AOK Rheinland/Hamburg und AOK Nordost hat die Torrent-Tochter gewonnen.

Ähnliches Bild bei dem Alzheimer-Mittel Donepezil: Basics bleibt AOK-Partner, Heumann hat sich aber die Verträge der AOK Rheinland/Hamburg und AOK Rheinland-Pfalz/Saarland geschnappt. Bei Zoledron teilen sich künftig Aliud – bisher Exklusivpartner – und 1A Pharma das Bundesgebiet.

Es geht aber auch anders herum: Pfizer hat seinen Exemestan-Vertrag komplett gemacht und löst im Gebiet der AOK Hessen und AOK Plus (Sachsen/Thüringen) Heumann ab. Bei dem Krebsmedikament gibt es ab Samstag also einheitliche Rabattverträge.

Dazu kommen sieben neu vergebene Wirkstoffe, die erstmals ausgeschrieben wurden oder bei denen es eine Lücke zwischen den Ausschreibungen gab. So ist der Vertrag über Dexamethason bereits im Ende März ausgelaufen. Bei diesen Wirkstoffen ist eine Umstellung des Patienten ebenfalls wahrscheinlich. Es handelt sich um Brinzolamid (Alcon), Duloxetin (2xGlenmark) und Valganciclovir (Mylan dura). Dexamethason (Teva/Ratiopharm/Galen/Merck Serono) und Rasagalin, (Aristo, Puren, Glenmark) wurden im Mehrpartnermodell vergeben.

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