Vergiftungen

Fünf Tipps zum Umgang mit Giftpflanzen

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Berlin -

Solange Familien bei schönem Wetter viel draußen unterwegs sind, treten im Apothekenalltag auch vermehrt Anfragen zu Vergiftungen durch Pflanzen auf. Bunte Blüten und Früchte im Garten oder im Wald können vor allem eine Gefahr für Kinder sein, wenn Blüten oder Blätter verschluckt werden. Für die Eltern ist es nicht immer einfach herauszufinden, welche Pflanzen wirklich gefährlich sind und was zu tun ist, wenn giftige Pflanzenteile verschluckt oder berührt werden.

Tipp eins: Wachsam sein. Gifthaltige Pflanzen finden sich nicht nur in Wäldern und auf Wiesen, sondern auch als Zierpflanzen in Grünanlagen und oft sogar im heimischen Garten. Dazu zählen etwa Maiglöckchen, Efeu, Tollkirsche, Feuerdorn, Rosskastanie oder Eberesche. Und auch die bei Gärtnern beliebte Hortensie gehört zu den Giftpflanzen. Sie enthält Blausäureverbindungen, die Erstickungsanfälle und Krämpfe bis hin zum Herzstillstand auslösen können. Selbst im Gemüsebeet sind den meisten Gärtnern die giftigen Eigenschaften ihrer Zöglinge unbekannt. So wissen zum Beispiel nur wenige: Das Kartoffelkraut sowie grüne Kartoffeln enthalten Solanin, eine schwach giftige chemische Verbindung.

Ob es zu einer Vergiftung kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Zum Beispiel vom Alter und der körperlichen Verfassung des Betroffenen oder, ob die kritischen Wirkstoffe in ausreichender Dosierung im oder am Körper einwirken können. Außerdem beeinflussen die Standortbedingungen und die Vegetationsperiode der Pflanze den Wirkstoffgehalt des Gifts. Der Giftgehalt kann auch je nach Reifegrad schwanken. So sind grüne Tomaten gifthaltig, rote hingegen nicht. Außerdem spielt die Zubereitung eine Rolle: Rohe Vogelbeeren aus dem heimischen Garten sind auf keinen Fall zum Verzehr geeignet. Gekocht, beispielsweise als Marmelade, sind sie dagegen unbedenklich.

Tipp zwei: Besonders giftige Pflanzen erkennen. Giftpflanzen sind nach Haushaltschemikalien und Arzneimitteln die häufigste Ursache für Vergiftungsfälle bei Kindern: Drei bis zehn Prozent der jährlich 100.000 Vergiftungsfälle gehen auf ihr Konto. Besonders Goldregen, Pfaffenhütchen, Stechpalme und Seidelbast können gefährlich werden, wenn Kinder die Pflanzenteile in den Mund stecken: Schon bei sehr kleinen Mengen besteht die Gefahr, dass die Kleinen schwere Vergiftungen erleiden. Vorsicht auch bei ungewollten Gästen: Ist etwa ein Bärenklau in den Garten eingewandert, sollte er schnellstmöglich entfernt werden. Dabei muss unbedingt Schutzkleidung getragen werden, denn der Pflanzensaft wirkt hochgiftig und kann unter Sonneneinstrahlung schmerzhafte Blasenbildung und schwer heilende Verbrennungserscheinungen hervorrufen.

Tipp drei: Symptome erkennen. Vergiftungen durch Pflanzen können unterschiedliche Symptome haben. Die Haut kann bei Kontakt mit Giftpflanzen etwa mit Ausschlag, Entzündungen, Juckreiz oder Blasenbildung reagieren. Auch Schwindel, Empfindungsstörungen und – in schweren Fällen – Krämpfe, Lähmungen und Bewusstlosigkeit sind möglich. Sehr häufig ist mit Brechreiz zu rechnen. Das ist auch sinnvoll: Durch Erbrechen versucht der Körper, sich unerwünschter Substanzen zu entledigen, damit sie keinen großen Schaden anrichten können. Neben Brechreiz äußern sich verschluckte Pflanzengifte meist mit Durchfall, Bauchschmerzen oder Schluckbeschwerden.

Tipp vier: Heilpflanzen nicht unterschätzen. Auch Heilpflanzen sind überall anzutreffen, egal ob in der freien Natur, gepflegten Gärten oder öffentlichen Parkanlagen. Manche Heilpflanzen sind nur sehr schwach giftig, sodass eine unangenehme Wirkung nur beim Verzehr großer Mengen auftritt, beispielsweise der Gänsefuß, der von vielen Wildkräuter-Fans sogar als Gemüse genossen wird. Auf der anderen Seite gibt es Heilpflanzen, bei denen schon der Genuss weniger Blätter oder Blüten tödlich sein kann. Bekannte Beispiele sind Digitalis, deren herzwirksame Glykoside lange in der Therapie von Herzrhythmusstörungen eingesetzt wurden, oder die Eibe, dessen Inhaltsstoff Paclitaxel in der Krebstherapie genutzt wird.

Tipp fünf: Giftnotrufzentrale einschalten. Hat ein Kind giftige Pflanzen in den Mund genommen oder geschluckt, gilt: Sofort die Giftnotrufzentrale anrufen. Das kann auch in der Apotheke geschehen, wenn die Eltern dort zuerst vor Ort um Hilfe bitten. Im Gespräch sollten die Symptome des Kindes genau geschildert und die Giftpflanze wenn möglich benannt werden. Wichtig ist außerdem anzugeben, welche Menge das Kind vermutlich aufgenommen hat und wie lange das zurückliegt. Die Giftnotrufzentrale kann auch Tipps dabei geben, ob es im konkreten Fall nötig ist, beim betroffenen Kind Erbrechen auszulösen. Milch oder Salzwasser sollte niemals auf eigene Faust verabreicht werden. Das kann für Kinder lebensgefährliche Folgen haben und die Giftaufnahme sogar noch verstärken Sollten Vergiftungserscheinungen auftreten oder zu erwarten sein, gehören die Kinder in ärztliche Behandlung. Eltern sollten die Auskünfte der Giftnotrufzentrale genau notieren und ohne Verzögerung den Kinderarzt oder die nächstgelegene Kinderklinik aufsuchen. Das Gift, zum Beispiel Pflanzenreste, sollte dafür nach Möglichkeit mitgenommen werden. So können Ärzte die giftigen Stoffe leichter identifizieren.

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