Päppelstation für Tiere in Not

PTA und Igel-„Mama“

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Berlin -

„Hero“ und „Snake“ – diese Namen hat Iris Köhler ihren aktuellen Schützlingen gegeben. „Kleine und schwache Tiere brauchen starke Namen“, sagt die PTA, die seit vergangenem Herbst Igel aufpäppelt und sich privat für den Schutz der Säuger engagiert. „Bei dieser Tierart wird so viel falsch gemacht und es fehlt ihnen an Popularität“, sagt sie.

Köhler ist in ihrer Apotheke für ihren „Spleen“ bekannt, wie sie sagt. Aufmerksam auf die Tiere wurde die zweifache Mutter, weil sie selbst verletzte Igel fand. „Ich wusste nicht, was ich machen sollte, und habe stundenlang telefoniert.“ Herausgekommen sei, dass nicht viele Tierärzt:innen „igelkundig“ seien. „Das wird im Studium nicht gelernt und sie müssen es sich privat aneignen.“

Das Interesse am Schutz der Igel war vorhanden und Köhler wollte künftig vorbereitet sein. Sie suchte bei Facebook Kontakt und bekam über die Gruppe „Igel - Notfälle - Beratung und alles Drumherum“ mit knapp 4400 Mitglieder:innen viel Information und Unterstützung. Die Administrator:innen vermitteln Köhler zufolge auch Päppelstellen vor Ort. Zudem arbeitet die PTA mittlerweile mit einem Verein zusammen und nimmt Tiere von Finder:innen auf. „Ich habe immer gesagt, zwei kriege ich gut durch. Meistens habe ich jetzt vier.“

Reinigung und Dokumentation

Momentan kümmert sie sich um ein Brüderpaar. „Hero“ kam mit einem Gewicht von 60 Gramm zu ihr. „Mein bisher Kleinster, der nun mit über 750 Gramm bei mir mit seinem Bruder im Garten sitzt.“ Die Pflege sei aufwendig – zwischen einer halben und einer Stunde müsse man pro Tag und Tier für einen „stabilen Igel“ einplanen. Dazu gehöre etwa die Reinigung der Boxen, in der die Säuger gehalten werden und die Gewichtsprotokolle. „Die Dokumentation ist wichtig, weil es sich um Wildtiere handelt, die auch wieder in die Natur entlassen werden müssen.“

Seit September kümmerte sich Köhler um insgesamt 16 Igel – zwei davon starben. Unterstützung erhält sie von ihrer Familie. „Das ist ein Gemeinschaftsprojekt. Mein Mann steht hinter mir, obwohl die Tiere fürchterlich stinken können.“ Auch ihre beiden Kinder helfen mit und zücken mitunter die Pinzette, um die Igel von Fliegeneiern zu befreien. „Das ist zu Beginn ganz wichtig.“ Viele Tiere hätten Wunden hervorgerufen durch Madenfraß, teilweise mussten sie 14 Tage Antibiotika nehmen. Auch ihre Chefin unterstützt die PTA, die in der Marien-Apotheke in Brühl tätig ist.

PTA investiert in Notfallmedikation

Für das Futter und die Medikamente kommt die PTA selbst auf. „Natürlich freut man sich, wenn ein Finder einem 20 Euro zusteckt. Mittlerweile habe sie eine spezielle Igel-Notfallmedikation zu Hause. Meistens müssten die Tiere entwurmt werden. Wichtig sei, dass dabei keine sogenannten Spot-on Präparate gegen Parasiten wie für Hunde oder Katzen verwendet würden. „Dann ist der Igel tot.“ Sie gibt auch Tipps zur ersten Hilfe und betont, dass jeder Igel, der am Tag unterwegs ist, kritisch hinterfragt werden müsse, da sie nachtaktiv seien.

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