Aktuelles aus der Forschung

Pollensaison 2024: Das müssen Allergiker:innen wissen

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Berlin -

Im vergangenen Jahr startete die Pollensaison außergewöhnlich früh und intensiv durch eine hohe Haselpollen-Belastungen. Lässt sich dadurch etwas für die aktuelle Pollensaison prognostizieren? Was können Pollenallergiker:innen tun, um möglichst beschwerdefrei durch's Jahr zu kommen und welche Forderungen und Erkenntnisse hält die aktuelle Allergieforschung bereit?

In Deutschland kommt es in den letzten Jahren immer häufiger vor, dass die ersten Pollen der neuen Saison schon zur Weihnachtszeit des alten Jahres in der Luft sind. Im Dezember waren Hasel- und Purpurerlenpollen in weiten Landesteilen bereits in der Luft. Massive Niederschläge und ein nachfolgender Wintereinbruch verhinderten einen stärkeren Pollenflug und hohe Belastungen zum Monatswechsel Januar/Februar. Ein ebenso früher und gleichzeitig heftiger Beginn der Pollensaison wie im Vorjahr fand 2024 also nicht statt. Der bisher milde Februarverlauf führte in der Folge zur Hauptblüte von Hasel und Erle und dem Auftreten von zahlreichen weiteren Pollenarten in der Luft, wie Eibe, Pappel und Ulme.

Wie wird die Pollensaison 2024?

Eine handfeste Prognose für die kommenden Monate gibt es dadurch natürlich nicht. Allergikern wird deshalb empfohlen, der jeweils aktuellen Wochenpollenvorhersage der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) für Deutschland oder der täglichen Pollenbelastungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes zu folgen. Das funktioniert sowohl über die Website der jeweiligen Institutionen als auch über entsprechende Apps für iOS und Android.

Die Apps helfen Atemwegsallergikern im Alltag rechtzeitig ihre Medikation anzupassen. Menschen mit Nahrungsmittel- oder Kontaktallergie können darüber hinaus durch eine integriertes Foto-Tool auf Verpackungen ihre Allergene schnell und zuverlässig entdecken.

Um gut durch die Saison zu kommen, sind die folgenden drei Hinweise zentral für Pollenallergiker:innen:

  • Dauermedikation: Allergien sind inzwischen sehr gut zu behandeln, in den meisten Fällen kann mit modernen Medikamenten Beschwerdefreiheit erreicht werden. Wichtig hierbei ist eine regelmäßige Einnahme der Medikation.
  • Moderne Apps verwenden: Risikozeiträume erkennen, Medikation anpassen
  • (tragbare) Luftfilter verwenden: Ob im Wohnraum oder als tragbare Variante für unterwegs: Filter reduzieren die Pollenlast in der Atemluft.

Stadtpollen sind aggressiver

Der Klimawandel lässt Luftschadstoffe wie Ozon und Feinstaub steigen. Das verändert und verschärft die Zusammensetzung von Pollen. Nahe viel befahrenen Straßen erhöht der CO2-Ausstoß von Autos den Pollenflug. Das zeigen Experimente mit Ambrosia und Wiesen-Lieschgras. Klimawandel und Luftschadstoffe stressen Pflanzen und ändern deren allergenes Potential. Infolgedessen haben Stadt-Pollen mehr Allergene pro Pollenkorn als solche auf dem Land. Für Allergiker:innen wäre es deshalb von Vorteil, wenn bei der Stadtplanung allergologische Aspekte zukünftig stärker berücksichtigt werden.

Laut Professor Torsten Zuberbier, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Ecarf (European Centre for Allergy Research Foundation), müsse unter gesundheitlichen wie ökonomischen Gesichtspunkten berücksichtigt werden, welche Bäume sinnvollerweise nicht in Städten angepflanzt werden. „Es ist unbedingt sinnvoll, viel Grün in der Stadt zu haben. Aber Pollenschleudern wie Birken sollten tunlichst vermieden werden“, so der Experte weiter.

Allergiewissen frühzeitig etablieren

Zuberbier ist der Ansicht, dass es Kinder, die aufgrund einer unbehandelten Allergie leiden, nicht geben dürfe. „Initiativen meiner Stiftung arbeiten unter Hochdruck daran, wie bereits für Kinder und Jugendliche, in Kindergärten und in Schulen, eine gute Aufklärung rund um das Thema Allergien erfolgen kann.“ Die Stiftung möchte Lehrmaterial über Allergien an alle Berliner Schulen bringen, um so spielerisch das Wissen über Allergien und Erste-Hilfe bei Notfällen zu vermitteln. Denn Allergien bei Kindern sind keine Seltenheit: Bis zu 40 Prozent der Schulkinder haben einen allergischen Schnupfen, Asthma, Neurodermitis oder eine Nahrungsmittelallergien. Etwa 15 Prozent der schweren allergischen Reaktionen passieren in der Schule. Bei einem allergischen Schock kann Adrenalin lebensrettend sein.

„Wir fordern eine Adrenalin-Notfall-Box auf allen öffentlichen Plätzen und Einrichtungen, wie Schwimmbäder oder Schulen beispielsweise“, erklärt der Experte. „Zurzeit erstellen wir ein Positionspapier für eine nationale Strategie zur Verfügbarkeit von Adrenalin-Autoinjektoren ähnlich der Verteilung der Frühdefibrillatoren und hoffen als Leuchtturmfunktion auf die Unterstützung seitens der Politik.“

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