NAC/Glyceroltrinitrat: Hypotonie-Gefahr

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Berlin -

N-Acetylcystein (NAC) zählt zu den am häufigsten abgegebenen Mukolytika. Der beliebte Schleimlöser kann jedoch mit anderen Arzneistoffen in Wechselwirkung treten. Neben einigen Antibiotika sollte auch Glyceroltrinitrat nicht zeitglich in Kombination mit NAC angewendet werden.

Fall: Langsam wird es Herbst. Die zwischenzeitlichen Wetterwechsel haben für erste grippale Infekte gesorgt. Ein Kunde leidet seit Kurzem unter verschleimtem, festsitzendem Husten und verlangt nach einem Hustenlöser mit NAC. Die Brausetabletten hätten sich in der Vergangenheit gut bewährt. Der Arzt habe die Lunge abgehört und lediglich einen Schleimlöser empfohlen. Eigentlich wollte der Mann nur eine Folgeverordnung für sein Glyceroltrinitrat-haltiges Spray abholen, welche er in der Apotheke außerdem vorlegt.

Analyse: Glyceroltrinitrat und NAC sollten nicht zeitgleich verabreicht werden, denn die vasodilatatorischen und gering thrombozytenaggregationshemmenden Eigenschaften von Glyceroltrinitrat können möglicherweise verstärkt werden. Im Akutfall ist ein Blutdruckabfall möglich, denn NAC kann die gefäßerweiternde Wirkung von Glyceroltrinitrat verstärken.

NAC ist ein Derivat der Aminosäure Cystein, die zur Bildung von Glutathion benötigt wird und Entgiftungsprozesse in Gang setzt. Vor allem für den Abbau des Paracetamol-Metaboliten NAPQI spielt Glutathion eine wichtige Rolle. NAC wird daher bei Vergiftungen mit dem schmerz- und fiebersenkenden Paracetamol eingesetzt. Der Arzneistoff besitzt sekretolytische und sekretomotorische Eigenschaften auf den Bronchialtrakt. Vermutlich sprengt NAC die Disulfidbrücken des Schleims und setzt dessen Viskosität herab.

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