Apothekenpersonal

Mobbing-Albtraum – ein Opfer erzählt Silvia Meixner, 05.04.2017 09:35 Uhr

Berlin - Jasmin K. erinnert sich genau an den Tag, an dem das Mobbing begann: Der Chef stellte morgens die neue Filialleiterin vor. Binnen kurzer Zeit liefen bei Jasmins PTA-Kolleginnen die Tränen, ein halbes Jahr später hatten vier von acht Mitarbeiterinnen gekündigt. Sie konnten die Schikanen nicht mehr ertragen.

Die neue Filialleiterin habe vom ersten Tag an keine Zweifel daran gelassen, dass sie das Team nicht mochte und kein Interesse an Teamgeist hatte. Sie habe nichts unversucht gelassen, um die PTA zu zermürben: „Mütter mussten von jetzt auf gleich bis 20 Uhr arbeiten – wer sich um die Kinder kümmern sollte, war der Chefin egal.“ Auch zu Samstagsdiensten seien Mütter neuerdings eingeteilt worden, was besonders Alleinerziehende traf, die niemanden hatten, die sich während der Arbeitszeit um den Nachwuchs kümmern konnte. „Nehmen Sie sich doch eine Tagesmutter“, so der Rat der Filialleiterin – eine Option, die bei einem PTA-Gehalt nicht in Frage kam.

Die Mütter kündigten als Erste. Andere Kolleginnen sollten laut Bericht Überstunden, die sich über Monate angesammelt hatten, von jetzt auf gleich „abbummeln“. Aus einem funktionierenden Team, in dem jeder gerne arbeitete, sei binnen kurzer Zeit eine frustrierte Gruppe geworden. „Lange kamen wir morgens gern zur Arbeit, plötzlich war die Apotheke ein Tal der Tränen“, erinnert sich Jasmin.

Die Stimmung sei eisig gewesen, freundliche, kollegiale Gespräche hätten kaum noch stattgefunden. Das Wort Mobbing machte hinter vorgehaltener Hand die Runde. „Jeder ging mit gesenktem Haupt durch den Tag, jeder hoffte, dass die nächste Mobbing-Attacke nicht ihn treffen würde. Auch das Misstrauen unter den Kollegen stieg. Wem konnte man noch trauen?“
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