Impfpässe: Apotheken als Anlaufstelle

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Berlin -

Mehr Freiheiten für Geimpfte soll es geben, doch der digitale Impfpass lässt noch auf sich warten. Daher sollte die Immunisierung zunächst im alten gelben Impfausweis eingetragen. Nicht selten kommt es aber vor, dass sich das Heftchen nicht mehr findet – viele Menschen fragen in der Apotheke nach einem neuen Exemplar. Bei den Mitarbeiter:innen im HV gibt das mitunter ein komisches Gefühl, immerhin gibt es viele Meldungen über gefälschte Impfausweise. Zukünftig könnte es auch dazu kommen, dass Apotheker:innen und PTA Impfungen nachtragen können. Ob dies gut oder schlecht ist – da spalten sich die Meinungen der Kollegen.

Bei Apothekerin Eva Tingelhoff aus Beckum ist die Nachfrage nach Impfausweisen in den vergangenen Tagen und Wochen massiv gestiegen. „Noch haben wir allerdings keine auf Lager“, meint sie. „Wir verweisen im Moment an die Ärzte und wollen da auch nicht zuvorkommen im Sinne eines harmonischen Miteinanders.“ In Zukunft will die Apothekerin sich jedoch um die Ausweise kümmern, damit bei Nachfrage welche vorrätig sind.

Die meisten Apotheken geben die Impfausweise für 1 bis 2 Euro ab. So auch die Hof-Apotheke in Hungen. Apothekerin Nicole Anhäuser verzeichnet seit ein paar Wochen ebenfalls eine gestiegene Nachfrage: „Wir geben die Pässe für 1,25 Euro pro Stück ab. Das sind die Kunden auch bedingungslos bereit zu zahlen.“ Beim Thema Nachtragung der Impfungen wartet die Apothekerin erst einmal noch auf konkrete Handlungsempfehlungen seitens der Politik: „Wie das Ganze ablaufen könnte, wenn wir in der Apotheke auch eigenständig nachtragen dürfen, dazu haben wir uns aktuell noch keine Gedanken gemacht.“

Grundsätzlich findet Tingelhoff, man sollte das Ganze schnellstmöglich digital gestalten. „Ich habe ganz großes Bauchweh, was die Fälschungssicherheit angeht“, meint Tingelhoff. „Das wäre doch nun ein toller Anreiz, in puncto Digitalisierung weiter voranzuschreiten.“ Mit Ergänzungen des Impfausweises durch die Apotheke sieht Tingelhoff keine Probleme – sofern ein eindeutiger Nachweis über die Impfung vorliege. „Ich muss natürlich vorher prüfen, ob das alles rechtens ist.“

Margit Schlenk, Inhaberin der NM Vital Apotheke in Neumarkt, ist gespannt auf die Vorgaben zur nachträglichen Dokumentation der Impfungen: „Wir warten aktuell ab. Noch dürfen Apotheken ja nicht nachtragen. Wir wollen es aber unbedingt.“ Elke Schnörwagen, Inhaberin der Fehn-Apotheke in Apen, würde lieber ihre eigens durchgeführte Impfung dokumentieren: „Wenn wir selbst impfen dürfen, dann würden wir es natürlich auch eintragen. Aktuell warte ich auf die Präsenzschulung für die Grippeimpfungen. In der kommenden Saison wollen wir an einem Modellprojekt teilnehmen.“

Aktuell wird immer wieder vor gefälschten Impfausweisen gewarnt. Um einen Missbrauch zu vermeiden, müssten Apotheker:innen und PTA genaue Vorgaben erhalten, welche Dokumente als Grundlage für einen nachträglichen Eintrag erlaubt sind und welche nicht. Jedes Impfzentrum und auch jede Arztpraxis kann einen anderen formlosen vorläufigen Impfnachweis ausstellen.

 

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