Wahlkreisapotheker lädt Kanzler ein

Scholz besucht Apotheke – Inhaber warnt vor Reformplänen

, Uhr
Berlin -

Am Samstagnachmittag bekam Apotheker Mike Beyer aus Teltow hohen Besuch: Bundeskanzler Scholz (SPD) folgte der Einladung des Inhabers und besuchte die dortige Sonnen Apotheke. Zwar zeigte der Kanzler in gewohnter Manier wenig emotionale Regung, dafür hörte er aufmerksam zu und interessierte sich für die vielen Baustellen der Apothekerschaft. Beyer nutzte den Termin, um den Kanzler auf die Risiken der Reformpläne seines Gesundheitsministers hinzuweisen.

Zustande gekommen war der Termin auf Bestreben des Apothekers. Er wohnt im ebenfalls nahe Berlin gelegenen Stahnsdorf, und als Scholz dort in seinem Wahlkreis Anfang Februar zu einer Veranstaltung lud, nutzte Beyer seine Chance. Statt eine Frage zu stellen, lud er ihn in seine Apotheke ein. „Er hat das direkt angenommen“, so Beyer. Also blieb Beyer hartnäckig und bekam am vergangenen Montag endlich die Zusage, dass ihn Scholz am Samstag für 30 Minuten besuchen würde. Am Ende nahm sich der Kanzler sogar zehn Minuten mehr Zeit.

Innerhalb der wenigen Tage bereitete Beyer sich so gut wie möglich auf den knappen Termin vor, um möglichst viele Fakten und Themen anbringen zu können. „Ich habe ihm unter anderem das E-Rezept an einem Beispiel vorgezeigt. Wenn es denn funktioniert, ist es gut.“ Beyer habe zudem klargemacht, dass die Apothekerschaft hier nach wie vor offen ist und auch gerne unterstützt, wenn es darum geht, die zu digitalisierenden Komponenten zu verbessern.

Weitere Themen waren die anhaltenden Lieferengpässe, am Beispiel von Ozempic und Trulicity verdeutlicht und auch die umständlichen Austauschregeln. Beyer hält die Dringlichkeitsliste für unnötigen bürokratischen Aufwand: „Das müsste nicht sein, das ging während der Pandemie ja auch ohne“. Zudem machte der Apotheker dem Kanzler deutlich, wie sehr die Apotheken dabei unterstützen, das gesamte System zu entlasten und dass die Arbeit der Pharmazeut:innen auch vor vermehrten Krankenhauseinweisungen schützt.

Zahlen und Fakten von der Basis

Natürlich sprach Beyer auch das Apothekenhonorar an. „Wir brauchen sofort Hilfe“, betonte er am Schluss von Scholz’ Besuch, „nicht erst 2027“. Die aktuellen Pläne von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) seien da keine Hilfe. So rechnete Beyer Scholz vor, dass das Vorhaben der Umverteilung keinen Sinn ergebe: „Ich sehe das eher als Schwächung der kleinen Apotheken, weil diese Umverteilung nicht funktionieren wird.“ Light-Apotheken würden ebenfalls nicht funktionieren: „Das bedeutet eine Leistungskürzung. Auch PTA machen da nicht mit, habe ich ihm gesagt. Wir werden kein Personal dafür finden.“

Scholz sei während des Besuchs ganz so gewesen, wie man ihn kennt: „Man erhofft sich da eine Reaktion, da war er aber ganz Profi“, so Beyer. Trotzdem habe sich der Kanzler sehr aufmerksam alles genau angeschaut und auch genau zugehört. „Ich kann da keine Hoffnungen wecken und keine Sorgen nehmen. Da kam nichts Konkretes, aber das habe ich auch nicht erwartet. Mir war wichtig, dass er diese Zahlen noch mal vorgerechnet bekommt, nicht von Verbänden oder der Lobby, sondern von einem Unternehmer vor Ort“, so Beyer zu seiner Motivation.

Er hofft, dass er anderen Kolleginnen und Kollegen so Mut machen kann, sich weiter an ihre zuständigen Politiker:innen zu wenden, wenn sogar Scholz einer Einladung folgt. Nur so könne die Apothekerschaft mehr Druck erzeugen.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Tipps und Tricks für die Protestaktion
Abda will nicht länger warten
Empfehlung von Versandapotheken
Dobbert: Politik zerstört Apothekenmarkt
Mehr aus Ressort
Klappendienst am Nachmittag
Thüringen: Demo abgesagt

APOTHEKE ADHOC Debatte