„Das Jahr 2026 ist gestartet, und ich glaube, es ist nicht übertrieben zu sagen, dass wir immer noch viele, viele Baustellen in der Gesundheitspolitik haben“, erklärte Matthias Schellenberg, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank), beim Gesundheitspolitischen Jahresauftakt in Düsseldorf. Statt guter Vorsätze brauche es vor allem mutiges Handeln und Zusammenarbeit.
Es sei zwar Tradition in Deutschland, sich zum Jahreswechsel gute Vorsätze vorzunehmen; er halte davon jedoch wenig, da diese meist nach wenigen Wochen verpufften: „Am Ende kommt nicht viel dabei heraus.“ Die neue Bundesregierung sei nach den vorgezogenen Neuwahlen ebenfalls mit vielen guten Vorsätzen gestartet. „Jetzt, nach acht Monaten, muss man leider feststellen, dass diese guten Vorsätze tatsächlich in vielen Teilen verpufft sind. Nicht nur, aber auch in der Gesundheitspolitik“, kritisierte Schellenberg – insbesondere im Hinblick auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Man sei nun mehr denn je darauf angewiesen, nicht mehr nur an gute Vorsätze zu denken; es brauche stattdessen ein stärkeres Bekenntnis und die Selbstverpflichtung, wirklich zu handeln.
Dies sei die entscheidende Selbstverpflichtung für die Gesundheitspolitik: Es müssten mutige Entscheidungen getroffen werden. Man werde bei den unterschiedlichen Interessenslagen nie die optimale Lösung finden, „aber es ist besser zu entscheiden, als nichts zu tun“.
Die zweite wichtige Selbstverpflichtung müsse laut Schellenberg darin bestehen, in der Gesundheitsversorgung gemeinschaftlich zu handeln. „Wir haben viele verschiedene Interessen: politische, wirtschaftliche, die der Leistungserbringer, und nicht zuletzt sollten wir an die der Patienten denken. Ich glaube, es gilt, dass wir gemeinsam an Lösungen arbeiten“, betonte er. Wenn alle an einem Strang zögen, um die besten Ergebnisse zu erzielen, werde man auch akzeptable Lösungen finden.
„Für die Apobank gilt die klare Selbstverpflichtung zum Wachstum“, fuhr Schellenberg fort. Man habe das Jahr 2025 sowohl operativ als auch im Rahmen des Strategieprogramms sehr erfolgreich beenden können und eine große Zahl von Projekten in den letzten drei Jahren umgesetzt. So habe man beispielsweise die Kundenzufriedenheit um 21 Prozentpunkte gesteigert, die betreuten Vermögenswerte in den letzten drei Jahren fast verdoppelt und auch die Mitarbeiterzufriedenheit erhöht.
Für die Zukunft kündigte Schellenberg die Strategie „Primus 28“ an: „Es ist klar, unser Anspruch lautet, die Nummer 1 für alle Heilberufler zu sein.“ Man sei dies bereits bei den Existenzgründern, wolle diese Position aber auch bei den angestellten Heilberuflern erreichen. Bis zum Ende des Jahrzehnts wolle man zudem auf 20 Milliarden Euro Depotvolumen kommen; aktuell stehe man bei 16 Milliarden Euro. „Ich glaube, wir sind an dieser Stelle auf einem guten Weg“, sagte er. Zum Ende der nächsten Strategieperiode in drei Jahren will die Apobank jährlich 10.000 neue Kunden gewinnen. Dies entspreche in etwa einer Verdoppelung der aktuellen Werte.
An der Abendveranstaltung waren auch zahlreiche Vertreter der Apotheker- und Ärzteschaft anwesend. Für Thomas Preis, den Vorsitzenden der Abda, sei es zu Beginn des Jahres angesichts der aktuellen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen nicht einfach, Zuversicht zu entwickeln. Positiv stimme jedoch, dass es eine neue Gesundheitsministerin gebe, die den Dialog mit den Heilberufen suche: „Diesen Dialog sollten wir in diesem Jahr nutzen, um das Beste für die Versorgung von Patientinnen und Patienten rauszuholen – das ist das Ziel, was uns eint, und da müssen wir die Politik überzeugen, dass wir ein starkes Gesundheitssystem mit starken Ärztinnen und Ärzten und mit starken Apothekerinnen und Apothekern unterstützt."
Auf die Frage, was ihn zuversichtlich stimme, dass die gesundheitspolitischen Reformen gelingen könnten, erklärte Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages, es sei vor allem die inzwischen allseits vorherrschende Erkenntnis, dass ein großer Reformbedarf besteht. Er habe keine Sorge, dass sich das Gesundheitswesen weiter gut entwickeln könne, mit all den vielen engagierten jungen Kolleginnen und Kollegen, die bereit seien, die Zukunft der Gesundheitsversorgung zu organisieren.
Zu den vielen Pilotprojekte für integrierte Versorgung und regionale Netzwerke gehöre auch die hausarztzentrierte Versorgung. „Damit haben wir bereits gezeigt, dass ein Primärarztsystem möglich ist, und dass das nachweislich eine bessere und effizientere Versorgung für Patientinnen und Patienten bedeutet", erklärte Nicola Buhlinger-Göpfarth, Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands. Für den zahnärztlichen Bereich nannte Martin Hendges, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, die Prävention als Erfolgsbeispiel, sie steigere stetig die Mundgesundheit und lasse gleichzeitig kostenstabil arbeiten.
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