AOK-Rabattverträge

15. Runde für Hermann

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Berlin -

Die AOKen suchen neue Rabattpartner – bereits zum 15. Mal hat die AOK Baden-Württemberg federführend für die anderen Kassen Rabattverträge en masse ausgeschrieben. Die Ausschreibung umfasst 117 Wirkstoffe und Kombinationen, aufgeteilt auf 119 Fachlose – auch Pantoprazol ist wieder dabei. Das Umsatzvolumen für die betreffenden Arzneimittel lag zuletzt bei 2,2 Milliarden Euro.

Aktuell werden 28 Lose im Drei-Partner-Modell und 91 Lose exklusiv vergeben. Zusätzlich zu den bereits bestehenden Verträgen will die AOK Partner für Wirkstoffe finden, die inzwischen patentfrei geworden sind und „für die der Markt ausschreibungsreif ist“, so Kassenchef Dr. Christopher Hermann.

Die neuen Verträge sollen im Wesentlichen Vereinbarungen der zwölften Tranche ablösen, die im März 2016 ausläuft. Die zwölfte Tranche war 2013 die bis dato größte Ausschreibung der AOKen und löste Verträge der siebten Tranche ab, die wiederum in weiten Teilen der vierten Runde entsprach.

Erstmals dabei sind zum Beispiel das Neuroleptikum Aripiprazol und Eplerenon, ein Mittel zur Behandlung von Herzinsuffizienz nach Herzinfarkt. Beide Wirkstoffe werden exklusiv vergeben. An jeweils drei Hersteller sollen etwa Amoxicillin, Clindamycin und Doxycyclin gehen. Aledronsäure, Amitriptylin, Fluconazol, Lansoprazol, Lorazepam und Metamizol-Natrium wurden – wie bereits in der zwölften Tranche – exklusiv ausgeschrieben.

Für jedes Los werden acht Gebietslose gebildet, für die die Hersteller bieten können. Ihr Gebot können sie noch bis Ende September einreichen, entweder für alle oder einzelne Gebiete. „Die Zuschläge werden voraussichtlich im November erteilt, um den Unternehmen bis zum Vertragsstart am 1. April 2016 ausreichend Zeit zur Vorbereitung zu geben“, sagte Hermann. Die Verträge sollen dann zwei Jahre laufen.

Auch Pantoprazol wurde erneut ausgeschrieben und soll diesmal aber an bis zu drei Hersteller gehen. Mit dem Wirkstoff hatte die AOK in der zwölften Tranche Probleme: Im Februar 2014, kurz vor Start der neuen Verträge, war noch kein Partner für Pantoprazol gefunden. Die Angebotsbewertung sei noch nicht „abschließend abgeschlossen“, hieß es damals von der AOK.

Hintergrund war dem Vernehmen nach eine Beschwerde der Hexal-Gruppe. Actavis blieb letztendlich Rabattpartner der AOK, konnte aber zunächst keine ausreichenden Mengen an den Großhandel liefern. Die AOK Nordost riet den Apothekern zur Direktbestellung.

Hermann erklärte zum Start der Ausschreibung, dass sich Rabattverträge als „unverzichtbares Instrument zur Ausgabensteuerung“ lange etabliert hätten und in den Quartalsberichten des Bundesgesundheitsministerium (BMG) regelmäßig als „hocheffektive Ausgabenbremse“ hervorgehoben würden.

Dass inzwischen alle Krankenkassen erheblich vom Erfolg der Rabattverträge profitierten, ist aus Hermanns Sicht der Beharrlichkeit der AOK zu verdanken: „Wir haben die Verträge gegen den erheblichen Widerstand weiter Teile der Pharmaindustrie rechtssicher durchgesetzt“, betonte der Verhandlungsführer für die bundesweiten AOK-Arzneimittelrabattverträge.

Aktuell umfassen die bundesweiten Generika-Rabattverträge der AOKen 278 Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen mit einem jährlichen Umsatzvolumen von mehr als fünf Milliarden Euro. Allein in den Jahren 2013 und 2014 konnten die AOKen durch laufende und neue Rabattverträge nach eigenen Angaben insgesamt rund 2,3 Milliarden Euro einsparen.

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