Engpässe immer schlimmer

Preis: Versorgung hängt am seidenen Faden

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Berlin -

Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR), schlägt Alarm: „Die Arzneimittelversorgung von Kindern und Babys im kommenden Winter hängt am seidenen Faden, einem immer dünner werdenden Faden. Was das  bedeutet, können die Menschen jetzt schon bei der Abholung von Medikamenten in unseren Apotheken  tagtäglich erleben“, sagte er beim Sommerempfang seines Verbands in Düsseldorf.

„Immer mehr Medikamente werden per Sonderzulassung aus dem Ausland in hektischer Weise importiert und zugelassen“, so Preis. Sicherheitsaspekte würden dabei nicht selten über Bord geworfen: „Ganz ohne Beipackzettel oder mit Beipackzetteln, die aber per KI übersetzt wurden und nur der Zulassung des Ursprungsland entsprechen – wenn überhaupt –, Kinderantibiotika ohne Dosierlöffel, Asthmamittel in komplett französischer Aufmachung, ohne jegliche deutsche Beschriftung – übrigens nur, um den Rabattvertrag einer deutschen Krankenkasse bedienen zu können, sind nur einige Beispiele dieser unhaltbaren Verhältnisse.“

Die Apothekenteams würden von Tag zu Tag immer mehr bangen, eine leitliniengerechte und sichere Arzneimitteltherapie der Patienten sicherstellen zu können. „Die Arzneimittelversorgung verschlechtert sich weiter. So sind die Lieferengpässe gemäß BfArM-Liste innerhalb eines Jahres um über 25 Prozent auf aktuell über 500 angestiegen. Innerhalb von fünf Jahren sogar um über 150 Prozent“, so Preis.

Hohe Dunkelziffer bei Engpässen

Diese Zahlen untermauerten die „äußerst alarmierende Situation“ jetzt und im kommenden Winter. Allerdings spiegele die Anzahl dieser Liste nicht das wahre Ausmaß wider. „Denn viele fehlende Arzneimittel werden in dieser Liste nicht erfasst“, so Preis. Der AVNR geht von mehreren Tausend nicht lieferbaren Arzneimitteln aus. Allein in NRW seien Tag für Tag über 300.000 Patienten mit ihren Medikationen von Lieferengpässen bei Arzneimitteln betroffen.

Die Versorgung der Patienten sicherzustellen, bedeute für Apotheken einen enormen Personalaufwand. „Für diesen enormen Mehraufwand sieht das aktuelle Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetzes (ALBVVG) ein lächerliches Almosen von 50 Cent für das Lieferengpass-Management vor – eine Beleidigung für uns als Apotheker:innen und unsere Teams“, so Preis. Er forderte Politik und Krankenkassen erneut nachdrücklich auf, die Apotheken nicht kaputtzusparen und das seit mehr als zehn Jahren geltende Fixhonorar endlich zu erhöhen.

Auch die Apothekenschließungen seien ein „Signal für die immer dünner werdenden betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen“. Preis rechnet damit, dass im Kammerbezirk Nordrhein zum Jahresende weniger als 2000 Apotheken übrigen sind. „Immer weniger Apotheken, die zusätzlich auch unter einem extremen Fachkräftemangel leiden, müssen immer mehr Menschen versorgen – auch weil die Bevölkerungszahl in Deutschland entgegen der Prognosen weiter angestiegen ist.“ Nach Berechnungen des AVNR wird es bis 2045 über alle Altersgruppen hinweg einen Anstieg bei den Arzneimittelabgaben, pharmazeutischen Beratungen und Dienstleistungen in den Apotheken von mehr als 30 Prozent geben.

In einem Grußwort betonte der Präsident des deutschen Behindertensportverband und Nationales Paralympisches Komitee (DBS), Friedhelm Julius Beucher, die Wichtigkeit der Apothekerinnen und Apotheker in der persönlichen Betreuung ganz besonders auch behinderter Menschen: „Ihr helft den Menschen!“

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